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Verhaltensstörungen und Demenz

Was versteht man unter Verhaltensstörungen?
Riederer: Zu den häufigsten Verhaltensstörungen zählen Schreien, Fluchen, körperliche Aggressivität, Schlafstörungen bis zur Tag-Nacht-Umkehr, sexuelle Enthemmung, Essstörungen, Hamstern, Interesse- /Freudlosigkeit mit Rückzug oder Ruhelosigkeit mit ziellosem Umherwandern. Weiters kommt es häufig zu Depression, Angst, Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Was sind Ursachen für eine BPSD?
Riederer: Neben der Demenz können verschiedene weitere Faktoren die Symptomatik verschlimmern, bzw. auslösen. Zu diesen zählen:
Mangelernährung, Flüssigkeitsmangel mit Verwirrtheitszuständen, Blutzuckerprobleme, Schilddrüsenunterfunktion, Blutdruckprobleme, Harnwegsinfekt, Schlaganfall, Alkohol oder Medikamente, ein unentdeckter Oberschenkelhalsbruch, chronische Bronchitis oder eine Herzschwäche.

Gibt es auch äußere Umstände?
Riederer: Auch eine Änderung des Tagesablaufs oder der Umgebung wie beispielsweise ein neuer Betreuer kann eine BPSD auslösen.  BPSD kann aber auch nur in Verbindung mit bestimmten Pflegeaufgaben auftreten, z. B. Unruhe während der Hilfe beim Toilettengang.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Riederer: In vielen Fällen reicht die Behandlung der zu Grunde liegenden körperlichen Krankheit oder die Änderung der Umgebungsfaktoren bzw. Verhaltensmuster zur Behandlung aus. Gleichzeitig ist aber auch häufig eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Der Ansatz sollte jedoch immer lauten: "so wenig wie nötig". Jede Behandlung sollte so gewählt werden, dass sie für ältere Menschen und DemenzpatientInnen gut verträglich ist. Medikamentös steht eine Reihe von Substanzen zur Verfügung, die je nach Verhaltensstörung eingesetzt werden können, wobei immer ein Abwägen hinsichtlich der Nebenwirkungen erfolgen sollte. Wichtig ist, professionelle Hilfe und Beratung frühzeitig in Anspruch zu nehmen.

Gibt es auch nicht medikamentöse Therapiestrategien?
Riederer: Eine klare und gleichbleibende Tagesstruktur und die richtige Wahl des Betreuungsumfeldes stellen eine wichtige Grundlage dar. Strategien wie Reduktion der Außenreize, körpernahe Therapien (Massage, Berühren etc.), schlafhygienische Maßnahmen, individuell Musik- und Bewegungstherapien aber auch Gedächtnistraining etc. können oft gute Erfolge erzielen.

Welche Folgen für das Umfeld ergeben sich?
Riederer: Durch die Beschwerden wird die Alltagskompetenz der Betroffenen weiter eingeschränkt. Zudem verschlechtert sich die Lebensqualität von PatientInnen und Angehörigen. Aufgrund der damit verbundenen ungeeigneten Versorgung steigt die Wahrscheinlichkeit emotionaler Belastungen bzw. einer frühzeitigen Unterbringung im Spital oder Pflegeheim.  Betreuende leiden aufgrund der chronischen Überforderung häufig unter Burnout bis hin zu Depressionen.

Wie kann man vorbeugen?
Riederer: Die Unterstützung der pflegenden Angehörigen ist ein entscheidender Faktor, da diese auf Grund der ununterbrochenen Pflege eines schwer kranken Angehörigen Depressionen, Angst und Schlafstörungen entwickeln können.
Demenzkranke finden zudem oft Stabilisierung in Gedächtnisgruppen bzw. Tageszentren. Ebenso entlasten diese die Angehörigen und schaffen eine entsprechende Tagesstruktur.

Wo werden solche Programme angeboten?
Riederer: Unter anderem bieten die Sozialpsychiatrischen Dienste des aks in Dornbirn eine Demenzgruppe an. Das dr. bacher Gedächtnis-Therapiezentrum in Bürs bietet ebenfalls Therapiemöglichlichkeiten. Zudem hilft die landesweite Demenzsprechstunde von aks und Dr. Bacher als erste Anlaufstelle weiter.

Kontakt
aks Sozialmedizin
Sozialpsychiatrische Dienste
T 055 74 / 202 – 4400

dr. bacher Gedächtnistherapiezentrum
Demenzsprechstunde
Fr 14.30 – 17 Uhr
T 055 74 / 202 - 2900

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