Macht Mobbing krank?
Woher kommt der Begriff Mobbing?
Klien: Mobbing oder Mobben kommt von Englisch to mob „anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen“ und mob „Meute, Gesindel, Pöbel, Bande“.
Was genau ist Mobbing?
Klien: Mobbing bedeutet, dass jemand – zumeist am Arbeitsplatz – fortlaufend geärgert, schikaniert, absichtlich gemieden oder in seiner Würde verletzt wird. Mobbing ist ein Verhaltensmuster und keine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind systematisch, d.h. sie wiederholen sich regelmäßig und dauern über längere Zeit an. Einzelhandlungen wie Kritik an einer Fehlleistung ist kein Mobbing.
Können Sie einige Beispiele nennen?
Klien: Mobbing ist zum Beispiel, wenn jemand ständig im Gespräch unterbrochen, abgewiesen oder angeschrien wird. Wenn die Arbeit auf verletzende oder beleidigende Art kritisiert wird, wenn jemandem ständig sinnlose Aufgaben übertragen werden oder man bewusst überfordert wird. Auch das bewusste Vorenthalten von Informationen, sodass eine gut erfüllte Arbeit nicht mehr gewährleistet werden kann, ist Mobbing. Besonders schlimm ist es, wenn über jemanden absichtlich Gerüchte verbreitet werden.
Wer mobbt eigentlich wen?
Klien: Meist ist der Mobber dem Gemobbten in irgendeiner Form überlegen (Vorgesetzter, Älterer, Erfahrener, etc.). Häufig werden Kollegen des Gemobbten zu Co-Mobbern, d.h. sie spielen unbewusst im Mobbingsystem mit anstatt dem Gemobbten zu helfen. Es gibt aber auch Mobbinghandlungen gegen Vorgesetzte, dies ist aber viel seltener.
Ist man als Mobbingopfer krank?
Klien: Mobbing ist keine Krankheit, kann aber krank machen. Der Gemobbte fühlt sich als Opfer, ist demotiviert und ohnmächtig in seiner Situation. Selbstzweifel, Angstzustände, Konzentrationsschwächen, psychosomatische Beschwerden und Depressionen, die eine ärztliche Behandlung notwendig machen, uvm. sind Folgen von Mobbing.
Wie kommt man aus der Mobbingfalle heraus?
Klien: Ohne fremde Hilfe ist ein Ausstieg sehr schwierig. Die beste Möglichkeit etwas zu ändern haben Führungskräfte. Zunächst ist es wichtig, zu erkennen und sachlich zu analysieren, wie es zur Mobbingsituation gekommen ist. Der Gemobbte selbst ist meist zu schwach und in einer zu schlechten Position um Veränderungen herbeizuführen. Als Ansprechpartner im Betrieb sind der Arbeitsmediziner und der Betriebsrat wichtige Hilfen.
Welche Auswirkungen hat Mobbing für den Arbeitgeber?
Klien: Auswirkungen sind unter anderem innere Kündigung, schlechtes Arbeitsklima, schlechtere Leistungen, hohe Fluktuation und krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit. Die Führungskräfte haben eine sehr große Verantwortung im Umgang mit den MitarbeiterInnen und es muss ihnen bewusst sein, wie Mobbing entstehen kann und wohin es führt.
Wodurch wird Mobbing gefördert?
Klien: Unklare Zuständigkeiten und Kompetenzen, unklare Abläufe, widersprüchliche Anweisungen, Mängel in der Kommunikations- und Informationsstruktur sind Beispiele für Mobbing fördernde Arbeitsatmosphären. Aber auch organisatorische Veränderungen mit ungenügender Kommunikation, ungerechte Arbeitsverteilung, Über- und Unterforderung, mangelnder Handlungsspielraum oder starke Konkurrenz unter den MitarbeiterInnen fördern Mobbing.
Wo finden Betriebe Unterstützung, um Mobbing zu vermeiden?
Klien: ameco bietet Informationsvorträge zum Thema „Mobbing“ und Workshops zu „Kommunikation und Prävention von Mobbing“ an. Als Arbeitsmediziner sind wir externe und unabhängige Berater in Mobbingsituationen und können helfen in ganz konkreten Situationen Lösungen zu finden.
Was ist aus Ihrer Sicht als Arbeitsmedizinerin das Wichtigste um Mobbing zu vermeiden?
Klien: Eine offene, vertrauensvolle und wertschätzende Kommunikation ist eine sehr wichtige Basis um Mobbing zu vermeiden. Dies gilt für alle, die miteinander arbeiten. Klare Aufgabenstellungen, Organisationsabläufe und Kompetenzverteilungen verhindern Missverständnisse, Misstrauen und schaffen Vertrauen und Sicherheit.
