Diabetes Typ 2 – jeder hat es selbst in der Hand
Warum wird die Zuckerkrankheit immer mehr zum Problem für uns?
Schirmer: Das liegt mehrheitlich an unserem Lebensstil, der nicht mehr zu unserer „Genetik“ passt. Rein biologisch gesehen leben wir noch in der Steinzeit. Der Mensch ist darauf ausgelegt, sich seine Nahrung mit viel Bewegung mühsam zu sammeln oder zu jagen. Die Ausbeute war kalorientechnisch relativ gering. Unser Leben heute ist jedoch genau das Gegenteil: Bewegung findet bei einem Großteil der ÖsterreicherInnen im Alltag kaum mehr statt, und die Kalorienaufnahme über süße Getränke und sehr reichhaltiges Essen und Snacks ist häufig viel zu groß.
Warum nennt man den Diabetes Typ 2 dann Altersdiabetes?
Schirmer: Früher trat die Krankheit im höheren Lebensalter auf, daher der Name Altersdiabetes. Er entsteht durch eine jahrelange Überflutung des Körpers mit energiereicher Nahrung. Die Stoffwechselsysteme kollabieren irgendwann - man entwickelt einen Diabetes Typ 2. Mittlerweile ist die Schere aus Energiezufuhr und Energieverbrauch jedoch noch größer geworden, so dass es bereits zur Normalität geworden ist, einen Altersdiabetes bei jungen Erwachsenen zu diagnostizieren.
Im Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten fällt in diesem Zusammenhang oft auch der Begriff des metabolischen Syndroms. Was ist das genau?
Schirmer: Man kann sich darunter so etwas wie eine Vorstufe des Diabetes Typ 2 vorstellen. „Metabolisch“ steht dabei für „stoffwechselbedingt“. Kommen verschiedene stoffwechselbedingte Faktoren bei einem Menschen zusammen, spricht man von der Ausprägung eines metabolischen Syndroms.
Also strickte Diät halten und täglich fleißig Sport treiben?
Schirmer: Diäten sind ebenso wenig gut wie übertriebener Ehrgeiz beim Sporttreiben. Es geht darum, einen Lebensstil zu finden, der nicht krank macht, sondern unsere Gesundheit stärkt! Ein Lebensstil, der ein MEHR an Lebensqualität bietet. Wohlbefinden und Entspannung gehören hier ebenso dazu, wie Genuss – beim Essen und Trinken und bei der Bewegung.
Was bedeutet das in Bezug auf das Essen?
Schirmer: Betroffene haben im Gegensatz zu anderen Krankheitsbildern das Glück, sich genauso ernähren zu dürfen wie es jeder gesunde Mensch machen sollte. Man sollte vor allem Wert auf gesunde und abwechslungsreiche Kost legen. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und genießen Sie es. Bezüglich der zugeführten Kalorienmenge sollte man zunächst einmal versuchen, den Unterschied zwischen Appetit und Hunger zu erkennen, das hilft schon ungemein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Trinken – Vorarlberger Wasser hat eine sehr hohe Qualität und kostet nichts!
Und es ist kein Sportprogramm notwendig?
Schirmer: Für Betroffene ist weniger Sport gefragt, als vielmehr Bewegung an der frischen Luft. Man glaubt es ja kaum, aber selbst ein 30min Spaziergang reicht aus, um den Blutzucker eines Diabetikers deutlich zu senken, die Herzfrequenz dafür aber deutlich in die Höhe schnellen zu lassen. Der tägliche flotte Spaziergang, am Besten zu Mehreren, ist die beste Bewegungsbasis für die meisten DiabetikerInnen. Es ist gesellig, macht Spaß und man überfordert sich nicht – vermeidet also Frustrationserlebnisse. Zusätzlicher Sport bringt natürlich weiteren Nutzen.
Gibt es denn spezielle Sportarten, die sich besonders eignen?
Schirmer: Im Grunde genommen ist es so: Erlaubt ist, was Spaß macht. Mir sind 100 aktive DiabetikerInnen lieber, als zehn, die eine aus sportwissenschaftlicher Sicht „ideale“ Sportart betreiben. Selbst eine gemütliche Wanderung, die in einer noch viel gemütlicheren Jause endet, ist viel besser als das Nichtstun auf der Couch.
Grundsätzlich kann man aber sagen, dass sich all die Sportarten besonders eigenen, wo man über einen längeren Zeitraum etwas ins Schnaufen kommt. Überfordern Sie sich nicht, oberste Prämisse ist der Spaß. Und wenn Sie lauter Schnaufen als ihr Sportpartner spricht, ist es höchste Zeit langsamer zu tun.
