Informationen zum Mammographie-Screening
Was bedeutet Screening?
Unter Screening versteht man die Untersuchung einer Zielgruppe in der Bevölkerung (z.B. Frauen zwischen 50-69 Jahren) ohne, dass bei der einzelnen Person ein Krankheitsverdacht besteht.
Wem wird ein Mammographie-Screening empfohlen?
Das Mammographie-Screening wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder sehr kontrovertiell diskutiert. Aufgrund dieser unterschiedlichen Meinungen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang 2002 die international führenden Experten auf dem Gebiet des Mammographie-Screenings zusammengerufen und alle großen Studien noch einmal überprüft. Die WHO kommt danach zum Schluss, dass ein Mammographie-Screening ab dem 50. Lebensjahr alle 2-3 Jahre zu empfehlen ist.
Gibt es auch europäische Empfehlungen?
Die Europäische Kommission hat ebenfalls seit 1992 regelmäßig die führenden Experten zusammen gerufen. Diese europäischen Experten haben im Frühjahr 2006 ihre Leitlinien zum 4. Mal überarbeitet und mit folgender Empfehlung herausgegeben: Ein Mammographie-Screening wird Frauen ohne Brustsymptome vom 50. bis zum 69. Lebensjahr alle 2 Jahre empfohlen.
Diesen Empfehlungen schließen sich auch zahlreiche große amerikanische und internationale Gesundheitsorganisationen an, einige wissenschaftlichen Gesellschaften und Experten sind der Ansicht, dass das Mammographiescreening schon ab 40 beginnen sollte.
Macht ein Mammographie-Screening unter 40 Jahren Sinn?
Alle Fachgesellschaften und Experten sind sich einig, dass ein Mammographie-Screening vor dem 40. Lebensjahr mehr Nachteile als Vorteile hat. Je früher man mit dem Mammographie-Screening beginnt, um so mehr Röntgenstrahlen summieren sich einerseits und andererseits ist die Brust vor dem 50. Lebensjahr deutlich strahlenempfindlicher und schlechter strahlendurchgängig als nach dem Wechsel.
Was ist der Sinn einer Screening-Mammographie bei einer Frau ohne Beschwerden und ohne einen tastbaren Knoten oder sonstige Veränderung?
In erster Linie soll die Mammographie zusätzlich zum Tastbefund die Brustgesundheit bestätigen.
Sie ist aber auch im Stande einen Brustkrebsverdacht zu stellen, lange bevor ein Knoten tastbar wird. Die durchschnittliche Größe von bösartigen Brustknoten die lediglich durch eine Tastuntersuchung erkannt werden, liegt bei ca. 2cm. Eine Mammographie kann den Verdacht auf eine bösartige Veränderung in ca. 80% schon bei wesentlich kleineren Knoten stellen.
Macht die Mammographie Diagnosen?
Nein! Die Mammographie kann keine Diagnosen machen, sie kann nur feststellen, dass die Röntgenbilder der Brust unauffällig, auffällig oder verdächtig sind. Die Bewertung erfolgte in Anlehnung an die Schulnoten mit 1 bis 5 (BIRADS). Dieses Bewertungssystem ist international einheitlich und erleichtert die Interpretation der Befunde.
Was geschieht bei einem auffälligen oder verdächtigen Befund?
Bei einem auffälligen oder verdächtigen Befund geht das Screening über in eine Diagnostik, d.h. dieser Befund wird nach allen Regeln der medizinischen Kunst abgeklärt bis zu einer definitiven, exakten Diagnose. Dazu stehen heute zahlreiche moderne Verfahren zur Verfügung. Die Diagnose kann jedoch letztlich nur der Facharzt für Pathologie anhand einer Gewebeprobeuntersuchung stellen.
Gibt es auch falsche Mammographiebefunde?
Es ist sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass 10-20% der bösartigen Brustveränderungen bei der ersten Mammographie nicht erkannt werden können. Sehr entscheidend ist hier die Gerätequalität, die Qualität der Aufnahmetechnik und Befundung. Jedoch auch bei höchster Qualität in allen Gliedern der Qualitätskette, können nicht alle Frühstadien einer Brustkrebserkrankung in der Screening-Mammographie erkannt werden.
Gibt es auch verdächtige Mammographiebefunde bei gutartigen Veränderungen?
Nachdem die Mammographie keine Diagnosen stellen kann, sondern nur angeben kann mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Veränderung gut- oder bösartig ist, kommt es natürlich auch immer wieder bei gutartigen Prozessen zu einer Beunruhigung der betroffenen Frau. Wie schon erwähnt, müssen unklare Befunde komplett abgeklärt werden. Daraus ergeben sich oft psychische, körperliche und andere Belastungen bis schließlich das endgültige, in den meisten Fällen gute Ergebnis, vorliegt.
Kann die Screening-Mammographie schaden?
Die Experten sind sich heute einig, dass die Mammographie selbst ab dem 50. Lebensjahr praktisch unschädlich ist, dass es jedoch durch zunächst auffällige Befunde die sich dann in der weiteren Abklärung als doch gutartig herausstellen, es zu großen psychischen Belastungen kommt und dass auch das Gesundheitswesen durch die resultierenden Abklärungskosten belastet wird.
Oberstes Gebot aller Vorsorgemaßnahmen in der Medizin ist, dass durch das Screening gesunden Frauen und Männern nicht geschadet wird. Dies wird durch eine maximale Qualität in allen Bereichen versucht zu erreichen.
Es gilt die Vorteile des Mammographie-Screenings zu optimieren und die Nachteile maximal zu reduzieren.
Macht es Sinn die Mammographie auch in kürzeren Abständen zu machen?
Der Vergleich amerikanischer Modellregionen in denen jährlich das Mammographie-Screening durchgeführt wird mit dem britischen System, das nur alle 3 Jahre eine Mammographie ermöglicht zeigt, dass der Nutzen in beiden Systemen gleich hoch ist, jedoch im amerikanischen System doppelt so viele unnötige Operationen bei letztlich gutartigen Befunden anfallen.
Ist die Mammographie durch andere Untersuchungen ersetzbar?
Zum heutigen Zeitpunkt ist die Mammographie (leider) durch keine andere Untersuchung ersetzbar. Sehr wertvolle weitere bildgebende Untersuchungsmethoden kommen zum Einsatz, wenn die Mammographie keine Klarheit schaffen kann.
