Entspannung für Große und Kleine
Was hilft gegen zu viele negative Reize im Alltag?
Fitz: Wir können unsere Körperfunktionen beeinflussen, indem wir frühzeitig lernen, uns zu entspannen und vorbeugend zu stärken. Das Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung soll ausgeglichen sein. Hervorragend geeignet sind Entspannungsverfahren, die den Menschen befähigen, sich selbst zu beruhigen und in einen ausgeglichenen Zustand zu bringen, beispielsweise das Autogene Training.
Können Kinder ebenfalls „Entspannung“ lernen?
Fitz: Schon das Vorlesen von Geschichten hat auf Babys und Kleinkinder einen entspannenden und entwicklungsfördernden Effekt. Etwa ab dem 5. Lebensjahr sind Kinder bereits in der Lage, Phantasiereisen zu verstehen und sich darauf zu konzentrieren. Traumreisen und Entspannungsgeschichten vermitteln die Grundelemente des autogenen Trainings leicht und spielerisch. Kinder lernen das Autogene Training im Allgemeinen schneller als Erwachsene, denn sie haben einen natürlicheren Zugang zu ihrem Körper und mehr Vertrauen in ihre Selbststeuerungskräfte.
Wie wirken solche Entspannungsmethoden?
Fitz: Im autogenen Training wird der gesamte Organismus durch Formeln und Vorstellungen, die man sich selbst vorspricht, positiv beeinflusst, und die harmonische Ganzheit von Körper, Seele und Geist gefördert. Dies hat nichts mit „Leistung“ zu tun, es ist reine „Hingabe“. So wie sie sich wohltuendem Schlaf hingeben, versenken Sie sich mit der Zeit beim Autogenen Training selbst in einen erholsamen Ruhezustand. Dabei werden die unwillkürlichen Körperreaktionen (Herzschlag, Atmung, Verdauung, …) harmonisiert.
Welches sind denn die Grundelemente des Autogenen Trainings?
Fitz: Das Kind erfährt, dass es seinen Körper durch Gedanken selbst beeinflussen und steuern kann, dass ihm der Körper "gehorcht", und erlebt so eine zunehmende Stärkung des Selbstbewusstseins. Stellt sich das Kind z.B. auf Wärme ein, spürt es ein Kribbeln in Händen und Füßen und eine leichte Wärmezunahme. Es genügt bei Kindern schon bewusstes Atmen zu üben und Wärme in gewissen Körperteilen wahrzunehmen.
Welche Effekte sind nach regelmäßigen Entspannungsübungen bei Kindern festzustellen?
Fitz: Durch das Autogene Training oder Traumreisen erfahren die Kinder Ruhe und Geborgenheit, Erweiterung der Vorstellungskraft, seelische und körperliche Stabilisierung. Selbstheilungskräfte werden aktiviert und des Immunsystems gestärkt. Untersuchungen belegen eindeutig, dass es zur Verbesserung der Konzentrationsleistung kommt. Regelmäßiges Üben führt außerdem dazu, dass sich Kinder dann später viel leichter und vor allem schneller entspannen können, der Lerneffekt ist sehr groß. Die Wirksamkeit ist auch bei einer Vielzahl von psychosomatischen Störungen sowie bei Angst-Symptomen wissenschaftlich bestätigt.
Sind Entspannungsübungen auch für den Schulalltag geeignet?
Fitz: Autogenes Training kann einzeln oder in Gruppen gelernt werden. Kinder lieben es, mit anderen Kindern gemeinsam etwas zu unternehmen. Wenn der Altersabstand nicht zu groß ist – denn Kinder haben unterschiedliche Konzentrationsspannen – ist es sogar ideal, gemeinsam zu üben. Entspannungsgeschichten eignen sich hervorragend für den Unterricht. Wichtig ist die Vermittlung der Gegensätze Spannung-Entspannung, Ruhe-Bewegung, sowie der raschen Übertragbarkeit des Gelernten in den kindlichen Alltag. So kann die Klasse vor Prüfungen oder besonders aufregenden Situationen schnell beruhigt werden, vorausgesetzt die Kinder haben Erfahrung mit Entspannungsübungen gesammelt.
