Gesunder Lebensstil ist die beste Krebsvorsorge
Ist die Verhinderung von Krebs überhaupt möglich?
Diem: Viele Krebserkrankungen sind eng mit dem Lebensstil verbunden. Das heißt, das Krebsrisiko wird durch das persönliche Verhalten geprägt. Wer ungesund lebt, hat somit ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken.
Gibt es wirkliche einen so klaren Zusammenhang zwischen Lebensstil und Krebs?
Diem: In den industriellen Regionen können beispielsweise 80% der Mund- und Kehlkopfkarzinome auf Alkoholkonsum und Rauchen zurückgeführt werden. 85% der Speiseröhrenkarzinome stehen in Zusammenhang mit Alkoholkonsum, Rauchen und geringem Obst- und Gemüsekonsum.
Wie viele Menschen erkranken in Vorarlberg an Krebs?
Diem: Jedes Jahr gibt es in Vorarlberg rund 1.300 Neuerkrankungen. In etwa 600 Fällen pro Jahr führt Krebs zum Tod.
Was kann ich zur Vorbeugung gegen Krebs tun?
Diem: Es gibt ca. 50 Krebsarten, aber 30% aller Krebserkrankungen entfallen auf sechs vermeidbare oder früh erkennbare Arten (Lungen-, Gebärmutterhals-, Dickdarm-, Brust-, Melanom und Prostatakrebs). Die restlichen können durch einen gesunden Lebensstil – der im Übrigen auch anderen Krankheiten hintan hält - vermindert werden. Im Europäischen Kodex zur Kebsprävention werden elf Empfehlungen aufgelistet, die zur Kebsbekämpfung dienen.
Welche Empfehlungen sind das?
Diem: Nichtrauchen, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Vermeiden von Übergewicht, zu viel Sonne und übermäßigem Alkoholkonsum, Beachtung von Warnhinweisen für krebserregende Stoffe, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und die Hepatitis B Impfung.
Was ist besonders wichtig?
Diem: Hören Sie mit dem Rauchen auf! Sollten Sie es im Moment nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, sollten Sie wenigstens nicht in Gegenwart von Nichtrauchern und schon gar nicht in der Nähe von Kindern rauchen. Passiv Rauchen ist genauso gefährlich für die Gesundheit wie selbst zu rauchen.
Was hat noch einen Einfluss auf das Krebsrisiko?
Diem: Die Forschung zeigt, dass Übergewicht entscheidenden Einfluss hat. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse, tierische Fette nur in geringem Ausmaß sowie ausreichend Bewegung sind eine gute Grundlage für mehr Gesundheit und ein geringeres Krebsrisiko.
Wie sieht es mit Alkohol aus?
Diem: Alkohol sollten Sie nur in Maßen und nicht regelmäßig konsumieren. Für Männer sollten es nicht mehr als zwei, für Frauen höchstens ein alkoholisches Getränk pro Tag sein.
Erhöht zu viel Sonne das Krebsrisiko?
Diem: Sie sollten übermäßige intensive Sonnebestrahlung vermeiden, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Wer zu Sonnenbränden neigt, sollte sich ständig gezielt schützen. Eine behutsame zunehmende Sonnenexposition bis zu einem vernünftigen Ausmaß ist jedoch unbedenklich.
Was kann ich sonst noch tun?
Diem: Bei Krebserkrankungen ist die frühe Diagnose entscheidend. Deshalb sollten Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Für einige der häufigsten Krebsarten gibt es wirksame Vorsorgemaßnahmen wie z.B. Stuhltests und eventuelle Spiegelung beim Dickdarmkrebs oder die Vorsorgemammographie. So ist zum Beispiel die Anzahl der Fälle an Gebärmutterhalskrebs durch die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung deutlich zurück gegangen. Sie sollten jedoch vor allem bedenken, dass Lebensstil und Umweltfaktoren Häufigkeit und Sterblichkeit bei Krebs weitaus mehr beeinflussen, als das Therapie und Untersuchungen je können.
Factbox
Wie oft zur Vorsorgeuntersuchung?
• Allgemeine Vorsorgeuntersuchung: jährlich, ab 18 Jahren möglich
• Gynäkologische Vorsorge: jährlich, Frauen ab 20 Jahren empfohlen
• Brustkrebs-Vorsorge: alle 2 Jahre, Frauen ab 40 Jahren möglich, sehr wichtig zwischen 50-70 Jahren
• Prostata-Vorsorge: im Rahmen der Gesundenuntersuchung nach Rücksprache mit dem Hausarzt möglich
• Darmkrebs-Vorsorge: jährlich, ab 50 Jahren
