Kaugummi für gesunde Zähne
Noch immer gilt Karies als Volkskrankheit Nummer 1. Was genau passiert dabei im Mund?
Bischof: Ist ein Zahn mit Bakterienbelag
bedeckt, führt eine einmalige Zuckeraufnahme innerhalb von Sekunden zu einem
Säureanstieg, da Zucker von den Bakterien zu Säure abgebaut wird. Die Entkalkung des Zahnschmelzes setzt ein. Werden
die Nahrungsreste nicht entfernt und die Säuren nicht neutralisiert, dauert es
mindestens eine Stunde, bis wieder „normale“ Verhältnisse eintreten und wieder
Kalk aus dem Speichel in den Zahnschmelz eindringen kann.
Jede Zuckeraufnahme
führt zu einem Säureangriff! Es kommt nicht so sehr auf die Menge, sondern vor
allem auf die Häufigkeit des Zuckerkonsums an. Gelingt es, mehrere Stunden
keinen Zucker zu essen, kann der Zahnschmelz zwischenzeitlich wieder neu
verkalkt werden.
Der Zucker ist also
der Hauptfeind unserer Zähne?
Bischof: Ja, genau! Wenn
schon Süßes, dann am besten zu den Hauptmahlzeiten! Süße, klebrige
Zwischenmahlzeiten bleiben vor allem auf den Kauflächen und in den
Zahnzwischenräumen kleben und bieten so den Bakterien lange Nachschub an
Zucker.
Eine Reinigung des
Mundes von Speiseresten stoppt die Entkalkung sofort. Am besten wirkt
Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
Oft hört man die Meinung, dass man nicht direkt nach
dem Essen Zähneputzen darf? Ist das falsch?
Bischof: Putzschäden sind beinahe ausschließlich auf
falsche Zahnputztechnik und nie auf den falschen Putzzeitpunkt zurückzuführen.
Der Schaden entsteht durch horizontales Bürsten! Dadurch wird das Zahnfleisch weggebürstet.
Erst danach kommt es zu einer Zahnschädigung.
Bedeutet das Ihrer Meinung nach, dass bei richtigem
Putzen kein Schaden entsteht, auch wenn direkt nach dem Essen gebürstet wird?
Bischof: Bis auf wenige Ausnahmen, ja. Nur wenn in
einem Übermaß saure Produkte gegessen werden, sollte auf das direkte
Speiserestentfernen verzichtet werden. Es ist unvergleichlich wichtiger, die
Zähne nicht falsch zu putzen, als sich um den Putzzeitpunkt Sorgen zu machen.
Wie putzt man seine Zähne richtig?
Bischof: Wir empfehlen die Rot-Weiß-Technik, um die
Nahrungsreste zu entfernen: Nachdem die Kauflächen gereinigt und somit die
fluoridhaltige Zahnpasta im Mund verteilt ist, putzt man die Außen- und
Innenflächen vom roten Zahnfleisch beginnend zum weißen Zahn und streift so
alle Nahrungsreste ab. Diese Methode kann jedes Kind schon recht früh
problemlos erlernen.
Zusätzlich dazu müssen sicher die Zahnzwischenräume
mit Zahnseide gereinigt werden?
Bischof: Nein, auf keinen Fall! Zur Kariesvorsorge im
gesunden Gebiss bedarf es meiner Meinung nach keinerlei
Zahnzwischenraumreinigung! Es genügt eine konsequente Speiserestentfernung. Zahnseide
kann im gesunden Gebiss bei unsachgemäßer Anwendung deutlich mehr Schaden
setzen, als sie nutzt.
Wie oft sollte man Zähne putzen?
Bischof: Einmal täglich – am
besten abends vor dem Zubettgehen – müssen durch gründliches Zähneputzen die
bakteriellen Zahnbeläge entfernt werden. Zusätzlich ist es notwendig, nach jeder
Mahlzeit die Speisereste zu entfernen. Geschieht dies nicht, holen sich die Bakterien
über mehrere Stunden ständig Zucker aus den Speiseresten und es kommt
schlussendlich zu Karies.
Stimmt es, dass die Säurekonzentration im Mund nach
dem Essen durch das Kauen von Kaugummi reduziert werden kann?
Bischof: Auf jeden Fall. Zwischendurch ist das Kauen
eines zahnschonenden Kaugummis eine wirksame Alternative zum Zähneputzen. Wird
der Kaugummi etwa 20 Minuten lang gekaut, so werden die Zähne gereinigt,
gleichzeitig wird der Speichelfluss angeregt, so dass die von den Bakterien
gebildeten Säuren unwirksam gemacht werden. Ist weder Zähneputzen noch
Kaugummikauen möglich, soll man zumindest den Mund gründlich mit Wasser
ausspülen. Das Zähneputzen kann der Kaugummi jedoch nicht ersetzen! Mindestens
einmal am Tag muss trotzdem jede Fläche eines jeden Zahnes durch gründliches
Zähneputzen von den Bakterien befreit werden.