Kindergarten als Grundlage für frühe Förderung und Beobachtung
Welche Grundvoraussetzung für eine gute Entwicklung gibt es?
Fitz: Im Altern von 0-6 sind die alle Entwicklungsfenster für Kinder noch weit geöffnet. Dies reicht von den Sinneswahrnehmungen über die körperliche Entwicklung, den sozialen und emotionalen Fertigkeiten bis hin zu kognitiven Kompetenzen.
Was sind kognitive Kompetenzen?
Fitz: Zu den kognitiven Kompetenzen gehören z. B. die Wahrnehmung, das Erinnern, die Aufmerksamkeit oder auch die Kreativität. Das sind Fähigkeiten, die sehr stark mit der menschlichen Erkenntnis- und Informationsverarbeitung in Zusammenhang stehen und später in der Schule zu Erfolg oder eben Misserfolg führen.
Wie kann man diese Kompetenzen bei Kindern feststellen?
Fitz: Durch gezieltes Beobachten im Alltag beim Spiel mit anderen Kinder, im Kontakt mit Menschen, im Gespräch, da gibt es viele Möglichkeiten. Man muss nur wissen, worauf man in welchem Alter zu achten hat, welcher Entwicklungsbereich sich wann und wie ausbildet. KindgartenpädagogInnen in Vorarlberg sind speziell auf diese Beobachtungen geschult und wenden sie in ihrem pädagogischen Alltag an.
Können Sie dazu ein konkretes Beispiel nennen?
Fitz: Ein 2-jähriges Kind kann Farben zwar erkennen, jedoch noch nicht bewusst sprachlich auseinander halten oder in eine Reihenfolge bringen. Bei einem 5-jährigen Kind ist diese Fähigkeit sehr wohl ausgebildet (auch schon bei manchen 3-4-Jährigen). Es kann sogar schon Farbfolgen in der richtigen Reihenfolge wiedergeben. Dazwischen liegen sehr viele unterschiedliche Entwicklungsstadien.
Was beutet dies für die Beobachtung im Kindergarten?
Fitz: Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Die Kindergartenpädagogin hat die Aufgabe, bei 4-5-jährigen Kindern hinzuschauen, ob dieser Entwicklungsschritt vollzogen ist. Außerdem beobachtet sie gezielt, ob andere Aufgaben aus diesem Entwicklungsfeld schon bewältigt werden, z.B. Bilddetails erkennen, räumliche Orientierung, Entfernungen abschätzen oder überhaupt Symbole erkennen. Wenn diese Fähigkeiten noch nicht hinreichend ausgebildet sind, wird sie den Eltern eine Abklärung beim Arzt oder einer Fachperson empfehlen. In jedem Fall wird das Kind im Kindergartenalltag gefördert.
Wie können KindergartenpädagogInnen solche Fähigkeiten fördern?
Fitz: Durch Spiel, Spaß und Freude und durch gezieltes zur Verfügung stellen von entsprechenden Materialien. Dasselbe gilt für das Elternhaus. Kinder lernen am besten im spielerischen Alltag. Je vielseitiger und altersangepasster die Möglichkeiten sind, desto besser können sich Kinder entwickeln.
Warum müssen diese Fördermöglichkeiten altersgerecht sein?
Fitz: Wird ein Kind zu früh mit Spielen konfrontiert, die zu schwer sind, kann es sich nicht weiterentwickeln. Es könnte eher noch der Fall eintreten, dass es resigniert, sich zurückentwickelt oder in eine Abwehrhaltung geht, die sich dann auf das Selbstwertgefühl auswirkt. Deshalb ist es sehr wichtig, bei Widerstand des Kindes auf keinen Fall Druck auszuüben.
Seit wann gibt es diese Beobachtungen im Kindergarten?
Fitz: Eigentlich immer schon, denn es gehört zum pädagogischen Auftrag, die Entwicklung eines Kindes im Auge zu haben. Flächendeckend und standardisiert finden die Beobachtungen seit 5 Jahren statt. Ein einzigartiges und bundesweit anerkanntes Vorsorge-System. Vorarlberg ist hier wieder einmal Vorreiter.
Was bedeutet „bundesweit anerkannt“?
Fitz: Seit der Kindgartengesetzesnovelle 2008 müssen in allen Bundesländern Sprachstandsfeststellungen im Kindergarten durchgeführt werden. Vorarlberg hat das bestehende Vorsorgesystem als Instrument eingereicht. Es wurde mit viel Anerkennung angenommen, da es alle Entwicklungsbereiche mit einschließt. Man muss wissen: Sprache kann nur dann gut ausgebildet werden, wenn die nötigen Entwicklungsvoraussetzungen gegeben sind. Deshalb ist ein ganzheitlicher Blick auf die Gesundheit unserer Kinder so wichtig!
