Kindergarten - ein Ort zum Spielen oder ein wichtiger Entwicklungsschritt?
Warum ist der regelmäßige Kindergartenbesuch so wichtig?
Fitz: Untersuchungen zeigen, dass der regelmäßige Besuch des Kindergartens sehr positive Effekte hat. Besonders wichtig sind dabei abwechslungsreiche und altergemäße Spiele für alle Sinne. Doch neben den gut ausgebildeten Kindergartenpädagoginnen spielt natürlich auch das häusliche Umfeld und vor allem die Eltern eine entscheidende Rolle.
Der Kindergarten ist also vor allem ein Ort zum Spielen?
Fitz: Natürlich! Spielen, spielen, spielen heißt die Devise im Vorschulalter. Wenn noch gesunde Ernährung und viel frische Luft und Bewegung dazu kommen, sind die Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen geschaffen.
Kinder können doch auch zu Hause Spielen?
Fitz: Studien zeigen, dass Kinder deutliche Vorteile haben, wenn sie schon früh mit anderen Kindern regelmäßig in Kontakt kommen. Sie lernen Gruppenfähigkeit und positives soziales Verhalten.
Sie befürworten also das verpflichtende Kindergartenjahr?
Fitz: Im Kindergarten werden die Kinder von den speziell dafür ausgebildeten Erzieherinnen altersgerecht in ihrer Entwicklung gefördert. Je öfter die Kinder diese Förderung bekommen, umso besser.
Wenn Kinder im Kindergarten nur spielen, wo bleibt dann die Förderung?
Fitz: Das Spiel ist altersgerechte Förderung. Das umfasst von der Sozialkompetenz bis zum Sprachverständnis alle wichtigen Bereiche. Die KindergartenpädagogInnen leisten hier einen ganz wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kinder.
Dennoch sprechen 23 % der Kindergartenkinder so schlecht Deutsch, dass sie Probleme in der Schule haben werden.
Fitz: Deshalb ist das verpflichtende Kindergartenjahr so wichtig und sollte nicht länger aufgeschoben werden. In den Kindergärten erhalten unsere Kinder spezielle Unterstützung, die sie für einen guten Schulstart dringend brauchen. Diese Chance sollten alle Kinder bekommen.
Das betrifft doch hauptsächlich Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache haben?
Fitz: Für Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, ist es natürlich meist schwieriger. Die Ergebnisse einer kürzlich an österreichischen Kindergärten durchgeführten Studie zeigen jedoch, dass gezielte und ausreichende Förderung mehr Auswirkung hat als die Muttersprache.
Was tun, wenn sich das Kind trotz guter Lebensbedingungen nicht optimal entwickelt?
Fitz: Wir haben in Vorarlberg ein einzigartiges, flächendeckendes Vorsorgesystem im Kindergarten und können schon früh erkennen, wenn Entwicklungsrisiken bestehen. Bei Unsicherheiten fragen Sie die Kindergartenpädagogin.
Wie funktioniert dieses System?
Fitz: Alle 4-jährigen werden in allen Vorarlberger Kindergärten mit speziellen Verfahren beobachtet. So können frühzeitig Probleme und Defizite erkannt und behandelt werden.
Welche Vorteile haben die Kinder dadurch?
Fitz: Die Ergebnisse ermöglichen eine gezielte und frühzeitige Förderung jedes Kindes, fast 2 Jahre bevor es mit der Schule beginnt. So können viele Probleme lange vor dem Schuleintritt behoben werden.
Was können Eltern zu einer guten Entwicklung Ihres Kindes beitragen?
Fitz: Hören Sie zu, wenn ihr Kind mit Ihnen spricht, auch wenn sie unter Zeitdruck stehen, es lohnt sich. Vermeiden zu viele passive Aktivitäten wie fernsehen, Play Station oder Game Boy spielen. Ihr Kind lernt mehr, wenn es hüpft und springt oder mit dem Baukasten spielt.
Was können Eltern noch tun?
Fitz: Lassen Sie Ihr Kind im Haushalt mithelfen, auch wenn es manchmal unbequem ist. Besteck sortieren, Tassen und Teller stapeln, auch das ist spielerisches Lernen. Viele Spiele kann man auch ohne Material unterwegs spielen, beispielsweise „Ich sehe etwas, was du nicht siehst“.
