Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

Link: aks - zur Startseite

Wer gesund lebt hat mehr Spaß!

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wo liegen die besonderen Schwierigkeiten für Kinder, wenn ein Elternteil unter einer psychischen Störung leidet?

Kerler: Sie erfahren sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie Unsicherheit im Umgang mit der Erkrankung, aber auch Tabuisierung und Isolation. Sie sind mit den Auswirkungen der Krankheit auf allen Ebenen konfrontiert. Das Verhalten des erkrankten Elternteils ändert sich häufig und oft ohne Vorwarnung. Dazu kommt oft auch die Trennung durch Krankenhausaufenthalte es Elternteils.

Welche Auswirkungen hat das für Kinder?
Kerler:
Viele der Kinder empfinden Scham und Schuld. Sie glauben oft, sie wären schuld, dass Mama oder Papa sich so verhalten, dass die Eltern „böse“ auf sie sind. Dazu kommen auch Angst und Sorge um den Elternteil. Auch Unverständnis und Ablehnung bis hin zu Aggression und Wut sind typische Reaktionen in solchen Situationen, insbesondere bei älteren Kindern.

Ändert sich in einer solchen Situation die Rolle der Kinder in der Familie?
Kerler:
Häufig müssen Kinder in solchen Situationen zu viel Verantwortung übernehmen. Sie kümmern sich um Eltern und Geschwister und werden sogar zum Partnerersatz. Das ist eine enorme Belastung für Kinder.

Hat die psychische Erkrankung eines Elternteils langfristige Folgen für Kinder?
Kerler:
Kinder, deren Eltern unter einer psychischen Störung leiden, haben ein deutlich höheres Risiko, als Erwachsene selbst psychisch zu erkranken. Deshalb ist es wichtig, Kindern die Chance zu geben, sich auch in dieser Ausnahmesituation psychisch gesund und stabil zu entwickeln.

Was kann man tun, um die gesunde Entwicklung zu fördern?
Kerler:
Wichtig ist Verständnis und Unterstützung, um Kinder dadurch auch von Scham- und Schuldgefühlen zu entlasten. Sie brauchen verlässliche AnsprechpartnerInnen und ehrliche Antworten, um zu verstehen, was mit dem erkrankten Elternteil passiert. Vor allem aber sollten sie einfach nur Kind sein können.

Wie kann man Kindern helfen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen?
Kerler:
Schaffen Sie eine Atmosphäre von Vertrauen. Dann werden Kinder ermutigt, über ihre Gefühle zu sprechen. Sprechen Sie über Ihre eigenen Gefühle, damit das Kind ein Rollenvorbild hat. Seien Sie bereit zuzuhören, aber drängen Sie ein Kind nie, wenn es nicht über seine Gefühle sprechen will.

Wie kann man Kindern die Krankheit der Eltern erklären?
Kerler:
Wichtig ist, gut informiert zu sein, bevor man mit dem Kind spricht. Dann können Sie die Fragen sachlich beantworten. Treiben Sie das Kind nicht in einen Loyalitätskonflikt, indem sie andeuten, es wäre jemand an der Krankheit schuld. Finden Sie Beispiele, die dem Alter des Kindes entsprechen und die es versteht, etwa „Als du Masern hattest, hast du dich auch schlecht gefühlt und wolltest nichts unternehmen. So ist das jetzt auch mit Papa. Er hat dich immer noch lieb, auch wenn er es jetzt nicht zeigen kann.“

Ist es sinnvoll professionelle Hilfe speziell für die Kinder in Anspruch zu nehmen?
Kerler:
Unbedingt! Während es für psychisch erkrankte Personen und erwachsene Angehörige bereits viele gute Angebote gibt, sind betroffene Kinder eine Gruppe, die noch zu wenig betreut wird. Ein Angebot ist die KIESEL-Gruppe des aks, die sich speziell um Kinder von Eltern mit seelischen Leiden kümmert. Auch die Sprechstunde im Landeskrankenhaus Rankweil ist eine gute Anlaufstelle.

Wie sieht die professionelle Hilfe für Kinder aus?
Kerler:
Kinder haben die Möglichkeit, ihre eigene Situation zu überdenken und mit professioneller Hilfe Bewältigungsstrategien zu erarbeiten. Sie können sich in Kleingruppen mit anderen Betroffenen im selben Alter treffen und lernen dort angemessene Verhaltensweisen zu erproben, Verständnis für die Ausnahmesituation zu entwickeln und können in einem betreuten Rahmen ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ausleben.

kiesel 1.jpg

 

Link: zur Kombinat Homepage