Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation

Link: aks - zur Startseite

Ein Schritt zur besseren Gesundheit

Zu früh geboren

Wie war das früher?
Bachmann: Vor 20 Jahren grenzte es noch an ein Wunder, wenn ein 7-Monatskind überlebte, heute ist ein gesundes 6-Monatskind mit 500 g Geburtsgewicht und einer Größe von 35 cm keine Seltenheit mehr. In der Physiotherapie für Frühgeborene geht es darum, Entwicklungsverzögerungen zu vermeiden und  Eltern zu begleiten.

Welche Risikofaktoren können eintreten?
Bachmann: Die Lungen eines so kleinen Babys sind noch nicht ausgereift, eine künstliche Beatmung kann erforderlich sein. Auch in anderen Organen, wie zum Beispiel in Gehirn, Darm, Kreislauf, können Komplikationen auftreten. Manchmal kann es sehr dramatisch zugehen. Die Kinder kämpfen um ihr Leben und
mitunter kann eine Schädigung zurückbleiben.

Im Spital sind die Kinder medizinisch versorgt. Wie kommen Eltern zu Hause zurecht?
Bachmann: Alle freuen sich auf den Tag, an dem es nach Hause geht. Die Mütter sind bereits im Spital in die Pflege eingebunden und kommen sicher mit ihrem kleinen Schatz zurecht. Trotzdem ist die Entlassung oft nicht einfach und viele Eltern haben Zweifel, ob sie es zuhause schaffen. Denn nicht nur das Kind ist zu früh gekommen, auch Mutter und Vater sind zu früh Eltern geworden.

Werden alle Frühgeborenen nachbetreut und erhalten Physiotherapie?
Bachmann: Nein! In Vorarlberg bieten die aks Kinderdienste eine Risikosprechstunde an. Hier werden Frühchen mit erhöhtem Risiko neurologisch nachbetreut. Der Kinderneurologe untersucht das Kind, beurteilt die Entwicklung und empfiehlt oft eine unterstützende Physiotherapie.

In welchem Alter ist das?
Bachmann: Meistens wird im errechneten Alter von drei Monaten mit der Physiotherapie begonnen, manchmal auch früher. Die Babies sind dann einem Neugeborenen gleich. Sie haben sich zu Hause eingelebt. Zwischen Eltern und Kind besteht jetzt in der Regel eine gute Bindung. Das ist die Basis für die gesamte weitere Entwicklung und ein guter Zeitpunkt, mit einer Förderung zu beginnen.

Haben Eltern Angst, Ihrem Kind fehlt etwas, wenn sie zur Physiotherapie müssen?
Bachmann: Natürlich ist der erste Termin schwer. Da aber nicht bei jedem Kind schon eine Diagnose feststeht, geht es zunächst einmal um die Beobachtung und Unterstützung der Entwicklung. Die Eltern sind dabei wichtige Partner.

Welche Schwerpunkte verfolgen Sie in Ihrer Arbeit mit Frühgeborenen?
Bachmann: Zum einen geht es um die Förderung des Kindes, zum anderen um die Stützung und Begleitung der Eltern. Während dem Erstgespräch beobachte ich das Frühgeborene. Den Eltern gebe ich klare Auskünfte über mein Angebot und wie unsere Zusammenarbeit aussehen kann. Nach und nach rückt das Kind in den Mittelpunkt. Wenn die Eltern merken, es geht um praktische Alltagshilfen, die gleichzeitig das Kind fördern, dann fällt die Spannung ab und Vertrauen baut sich auf.

Was geben Sie den Eltern und Babies für Hilfen mit?
Bachmann: Einen großen und wichtigen Teil nimmt der Ablauf beim Füttern, Tragen, Baden, Wickeln ein. Weiters kann die Lagerung im Bettchen so unterstützt werden, dass normale alters entsprechende Bewegungen möglich sind.

Wie können Eltern ihrem Kind noch helfen?
Bachmann: Die Frühchen-Massage mit leichtem Druck und Berührung erzeugt eine tiefe Körperwahrnehmung.  Nicht zu vernachlässigen ist die Sinnesförderung.

Was kann man darunter verstehen?
Bachmann: Neben Riechen, Schmecken, Sehen und Hören gehört der Gleichgewichtssinn dazu. Im Mutterleib wird ein Kind stets geschaukelt. Ein Frühchen verbringt die letzten Wochen der Ausreifung im Bettchen. Hier besteht ein Nachholbedarf. Wiegen, das Kanguruhing (das Baby liegt dabei ohne Kleidung auf dem nackten Oberkörper eines Elternteils), Hängematte und Tragetuch kommen zum Einsatz.  Auch atemunterstützende Maßnahmen sowie eine Trinkförderung können notwendig sein. Das Allerwichtigste aber ist das Getragensein in der Liebe der Eltern.



Zu_frueh_geboren.jpg

 

Link: zur Kombinat Homepage