Die heilenden Kräfte der Musik als Therapieform
Musiktherapie hilft Kindern bei Verhaltensstörungen und Auffälligkeiten. Musik dient nicht nur der Unterhaltung, findet aks-Musiktherapeut Tanjef Gross. Sie kann Kindern und Jugendlichen in Form von Musiktherapie bei verschiedensten Verhaltensstörungen und anderen Auffälligkeiten helfen.
Was ist Musiktherapie?
Gross: Musiktherapie ist eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte, psychotherapeutische Disziplin. Sie bildet Schnittflächen mit angrenzenden Wissenschaftsbereichen, insbesondere der Medizin, der Psychologie, den Gesellschaftswissenschaften und der Musikwissenschaft. In der Musiktherapie setzen wir psychologische Mittel ein, um therapeutische, rehabilitative und vorbeugende Ziele zu erreichen.
Für wen ist Musiktherapie geeignet?
Gross: In der Musiktherapie für Kinder und Jugendliche wenden wir eine breite Spanne an Methoden an, die von heilpädagogischen bis zu psychotherapeutischen Verfahren reichen. Es gibt sowohl Gruppen- als auch Einzeltherapie, die voll- oder teilstationär aber auch ambulant für Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren angeboten wird.
Wann ist Musiktherapie für das Kind oder den Jugendlichen sinnvoll?
Gross: Unser Arbeitsfeld ist sehr breit und umfasst verschiedenste Problematiken, Störungen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Wir binden insbesondere die Familien und Bezugspersonen, aber auch das Jugendamt oder die Schule ein, um das Bild zu vervollständigen. Das Medium Musik eignet sich besonders für die musiktherapeutische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, wenn ihre Entwicklung durch belastende Lebensereignisse, Krankheiten oder Behinderungen erschwert ist. Musiktherapie kann bei der Bewältigung traumatischer Erfahrungen ebenso helfen wie bei der Verarbeitung von Belastungen durch chronische Erkrankungen, belastender Lebensereignisse oder beim Umgang mit psychischen Störungen.
Was wird in der Musiktherapie gemacht?
Gross: Über Musik werden Kindern und Jugendlichen Spielräume eröffnet, in denen sie sich mit allen Sinnen erfahren können. Dabei entdecken und stärken sie individuell ihre eigenen Potentiale, Ressourcen und Kompetenzen. Der gezielte Einsatz von Musik in der Musiktherapie fördert bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung von sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten, verbessert die Beziehungsfähigkeit, fördert die emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten jenseits der gesprochenen Sprache und unterstützt die Ausbildung von sozialen Kompetenzen.
Kann man sich das als therapeutischen Musikunterricht vorstellen?
Gross: Oh nein! Es geht nicht um das Einstudieren von Liedern oder Musikstücken, sondern um den aktiven Ausdruck und das eigene Erleben innerhalb einer Einzeltherapie oder einer Gruppe von Gleichaltrigen, und um das spielerische Experimentieren mit Instrumenten und Klängen innerhalb eines geschützten Rahmens. Die Kinder erlernen kein Instrument und wir arbeiten nicht mit Noten. Im Mittelpunkt stehen dabei musikalische Rollenspiele, musikalische Klangreisen, spielerisches und rhythmisches Erleben mit verschiedenen Instrumenten (z.B. Trommeln, Gitarre, Klavier, Perkussionsinstrumente), Bewegungslieder und freies Improvisieren. Das Vorhandensein anderer Medien wie z.B. Malstifte, Papier, Ton und Handpuppen ist häufig hilfreich.
Welche Fähigkeiten werden durch die Musiktherapie gefördert?
Gross: Die Kinder werden in ihrer Koordination, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gefördert und erleben Freude an Bewegungen zu Musik. Außerdem dient die Musiktherapie dazu die Entwicklung und Identität zu fördern, Handlungs- und Kommunikationsspielräume zu erweitern, den Selbstwert zu erhöhen und emotionale Ausdrucksmöglichkeiten zu integrieren.
Wird die Familie mit einbezogen?
Gross: Unbedingt, denn Kinder und Jugendliche sind Teil eines familiären oder familieähnlichen Systems und können nicht verstanden oder behandelt werden, wenn diese Personen nicht berücksichtigt werden. Das Einbeziehen der Bezugspersonen - nicht nur in der Auftragsklärung, sondern auch direkt oder indirekt in der Therapie - ist unverzichtbar. So können beispielsweise für die verbale Kommunikation innerhalb der Familie Veränderungen und Lösungen auf musikalischer Ebene mit dem Kind oder dem Jugendlichen spielerisch erprobt werden.
