ADHS – Diagnose und Behandlung
Schätzungen gemäß leiden zwischen 1% und 3% aller Kinder in unterschiedlicher Ausprägung unter der Symptomatik, das Verhältnis zwischen Buben und Mädchen ist 3:1.
Symptomatik
Es besteht ein durchgehendes Muster von Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität, welches im abnormen Ausmaß in mehreren bis vielen sozialen Situationen auftritt. Der Beginn der Symptomatik liegt vor dem 6. Lebensjahr.
Diagnose
Eine gesicherte ADHS-Diagnose ist nur in einem multimodalen Prozess zu stellen, in den Eltern, Lehrer bzw. KindergärtnerInnen mit einbezogen werden müssen. Der diagnostische Prozess fokussiert auf biologische, psychische (kognitive und emotionale) und soziale Bereiche.
Abklärung
Die Diagnostik ist klinisch-psychologisch, beurteilt Funktionsbeeinträchtigung im Bereich Selbstwert, Ausbildung und Berufslaufbahn wie Sozialkontakte mit und mündet in ein „maßgeschneidertes“ Beratungs- und Therapiekonzept ein, welches Psychoedukation, Verhaltenstherapie, unterstützende Familientherapie und gegebenenfalls auch Pharmakotherapie mit einschließt.
Therapie - Vernetzung
Nach der klinisch psychiatrischen wie psychologischen Diagnostik wird mit den niedergelassenen Haus- und Kinderfachärzten wie Kinder- und Jungendpsychiatern kooperiert, jedenfalls zum Aspekt der Medikation sowie notwendiger medizinischer Kontrollen (z.B. Labor).
Die aks Kinderdienste bieten aus ihrem Spektrum bei Indikation psychologische Begleitung (für Kind und Eltern), Ergotherapie (bei sensomotorischen Defiziten, Konzentrationstraining), Logopädie (bei Sprachauffälligkeiten) sowie gegebenenfalls Musiktherapie zur Aufarbeitung emotional-sozialer Symptombildungen an.
Bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren kommt zusätzlich der Bereich der heilpädagogischen Früh- und Spielförderung zum Einsatz.
Die Frage der Medikation mit Stimulanzien und Strattera ist „heikel“, da die Vorurteilslage in der Bevölkerung immer noch groß ist und gehört in die Hände eines erfahrenen Facharztes (Indikation, Dosisanpassung, Reflexion von Wirkung und Nebenwirkung), bei Möglichkeit der Rezeptur nach guter Einstellung der niedergelassenen Haus- oder Kinderfachärzten.
Durch den Prozess der Niederlassung von Kinder- und Jugendpsychiatern im Ländle entsteht mehr und mehr die Möglichkeit auch der fachärztlichen Behandlung in Ordinationen, wobei Eltern von im aks medikationsbehandelten Kindern – was historisch begründet ist – die Wahlfreiheit gelassen wird, ob sie beim zuständigen Kinder- und Jugendpsychiater der aks Kinderdienststelle bleiben oder zu einem niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater in die Ordination gehen möchten. Durch die Möglichkeit der niedergelassenen Facharztkollegen übernehmen die aks Sprechtage jedoch keine neuen Medikationen mehr.
Dr. Hans-Peter Oswald
FA für Kinder- und Jugendheilkunde
FA Kinder- und Jugendpsychiatrie
Psychotherapeut (SF)