Geschwisterkinder
Es ist ein Faktum, dass Geschwister durch die besondere Familiensituation in vielfältiger Weise betroffen sind. Das Leben mit einem behinderten, entwicklungsverzögerten, verhaltensauffälligen oder kranken Kind beeinflusst den Familienalltag, die Geschwisterrolle und die Biographie. Kindliche Wahrnehmungen und kindliche Bewältigungsstrategien unterscheiden sich dabei von denen der Erwachsenen. Unterschiedliche familiäre, soziale und individuelle Voraussetzungen bestimmen das Ausmaß der jeweiligen Risiken für das einzelne Geschwisterkind. Neben Grundhaltungen und Struktur der Familie spielen medizinische und ökonomische Aspekte eine Rolle. Geschwister erleben das „Anderssein“ ihrer Familien, erfahren unterschiedlichste Reaktionen der Umwelt. Sie sind früh mit Leid und Krankheit konfrontiert, müssen Einschränkungen und Verzicht in Kauf nehmen. Die Kinder sind häufig sowohl emotional als auch praktisch überfordert.
Vielfältige Reaktionen
Die Reaktionen der Kinder können sehr vielfältig sein. Sie reichen von Ängsten unterschiedlicher Art bis hin zur Übernahme von unangepasster Verantwortung für das betroffene Kind. Zukunftssorgen, Rückzug aus der sozialen Umwelt bis hin zu Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen, etc. sind möglich.
Hilfe
Eltern sollten die Kinder frühzeitig und ehrlich über die Behinderung und alle damit zusammenhängende Folgen informieren. Geschwister brauchen Verständnis für ihre Situation, Raum für Individuation, Zeit der Eltern nur für sie. Erfahrungsaustausch und Kontakt mit anderen Betroffenen und wenn nötig professionelle Unterstützung sind hilfreich. Gezielte Angebote helfen den Kindern, ihre besondere Lebenssituation zu meistern. Kinder bekommen Gelegenheit über Spötteleien, Ausgrenzungen und Reaktionen der Umwelt zu sprechen. Sie lernen, mit belastenden, stressigen Situationen um zu gehen, erfahren Unterstützung in der Entwicklung von Zukunftsperspektiven.
Geschwisterkinder-Projekt
Der aks hat auf die Bedürfnisse der Kinder reagiert. Ausgebildete PädagogInnen und TherapeutInnen bieten Einzelberatung und Gruppenangebote an. Gruppen für Kinder finden je nach Alter regelmäßig an einer der aks Stellen statt bzw. gibt es auch Wochenendaktivitäten. Es können Gruppen für Geschwister von Kindern mit spezieller Problematik wie z.B.: ADHS, Autismus, Down-Syndrom etc. initiiert werden. Darüber hinaus gibt es Vorträge, Workshops und individuelle Beratung für Eltern, Bezugspersonen, PädagogInnen und TherapeutInnen.
von Mag. Barbara Bell, aks-Frühförderin