Was tun wenn Kinder schummeln?
Es gibt viele Gründe warum Kinder flunkern, schummeln lügen. Wenn das Motiv verstanden wird, fällt der Umgang leichter, weiß aks-Psychotherapeutin Mag. Dr. Marlies Matt.
Für viele Eltern bedeutet Ehrlichkeit eine sehr wichtige Aufgabe in der Erziehung. Oft reagieren Eltern die sonst sehr gelassen sind, bei lügen mit Kränkung. Vor allem dann wenn das Kind beharrlich an seiner „Unwahrheit“ festhält. „Es mag paradox dies klingen, aber entwicklungspsychologisch gesehen kann das auch als Entwicklungsschritt gesehen werden“, erklärt Matt. Mit der ersten Lüge zeigt das Kind, dass es die Perspektive wechseln kann und zunehmend autonom wird.
Kleine Kinder verfügen über eine wunderbare Phantasie und können noch nicht zuverlässig zwischen Phantasie und Realität unterscheiden. Erwachsene lässt dies manchmal glauben, dass Kinder es mit der Wahrheit nicht ernst nehmen. So sind Aussagen eines Kindes „in unserem Garten gibt es richtige Gartenzwerge, die mit mir sprechen“ keine „Schummelei“ sondern entspringen dem magischen Denken.
Ab Ende des vierten Lebensjahres werden Magie und Realität von einander getrennt, wobei dies nicht auf das Lebensalter fixiert sein sollte, es ist auch eine etwas spätere Entwicklung möglich.
Vor allem GrundschülerInnen sind im Alltag oft überfordert, da ausreichende Bewältigungsmuster erst in Entwicklung sind. So müssen sie erst lernen mit Fehlverhalten und Problemen umzugehen. In diesen Situationen kommt es immer wieder zu Lügen. „Damit wollen Kinder Fehler vertuschen, den Erwachsenen alles recht machen, oder Vorteile dadurch erreichen“, so die Psycholgin. Manchmal sind es auch Anerkennungsbedürfnisse, die das Kind zu Aussagen wie „Ich bekomme zum Geburtstag ein Ponny“ und/oder „Ich war bei einem Unglück dabei“ drängen.
Wenn das Kind eine Lüge verwenden muss, ist der erste wichtige Schritt Ruhe bewahren und nicht mit Aggression reagieren. „Versuchen Sie zu verstehen, warum das Kind zu dieser Notmaßnahme gegriffen hat“, rät Matt. Genaues Nachfragen und geduldiges Zuhören lassen Erwachsene auch in kindliche Denkweisen und Perspektiven einfühlen. Keine großen öffentlichen Schuldbekenntnisse und keine harten Strafen, Kinder fühlen sich dann ohnedies schon mehr wie schlecht. Ermuntern sie Kinder die Wahrheit zu sagen und loben sie z.B. „Ich bin froh dass du die Wahrheit gesagt hast.“