Vorstellung Krebsatlas Alpenraum - Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Südtirol und Trentino
Mit dem Krebsatlas Alpenraum ist ein interessanter und wichtiger Überblick möglich geworden, wie sich sozialmedizinisch hoch bedeutsame Erkrankungen – speziell in einzelnen Regionen der Alpenländer – entwickeln, welche möglichen Parallelen es zwischen den einzelnen Ländern gibt und wie die Lebensbedingungen in den Ländern des Alpenraumes zu beurteilen sind. Das Zustandekommen des Krebsregisters reflektiert den Willen maßgeblicher Länder im Alpenraum, wichtige Grundlagen ihrer Gesellschaft gemeinsam zu analysieren und grenzüberschreitend zusammen zu arbeiten.
Die vorliegende Publikation ist ein wichtiges Instrument zur Information und Planung der Gesundheitsversorgung im Bereich der Tumorerkrankung. Für eine zielführende Einsetzung der Ressourcen braucht es fundierte epidemiologische Daten. Im Detail angeführt sind in dieser Studie die bösartigen Tumorerkrankungen und die damit zusammenhängenden Todesfälle im Zeitraum von 1996 bis 2000 in den Alpenländern Vorarlberg, Südtirol, Nordtirol, Trentino und Kärnten. Diese Informationen sind für Studien über mögliche Risikofaktoren von Bedeutung, die mit der Umwelt der Arbeitswelt oder den Lebensstilen der verschiedenen Gebiete zusammenhängen können.
Bessere Ressourcennutzung
Der Vergleich der Daten über bösartige Tumore zwischen angrenzenden Regionen, aus dem Tumorregister erlaubt es, mögliche Unterschiede zwischen angrenzenden Gebieten zu erforschen und dadurch genauere Strategien für die Gesundheitserziehung und –vorsorge zu erarbeiten. Darüber hinaus können all jene Ressourcen im Gesundheitsbereich genauer definiert werden, die für Krebsbekämpfung von Bedeutung sind.
Krebsatlas als Basis für Gesundheitspolitik
Bösartige Neubildungen stehen in allen entwickelten Gesellschaften an vorderster Stelle bei Kranksein und Sterben vor der Zeit. Sie bedeuten für den Einzelnen nicht nur Krankheitslast sowie für nicht wenige auch Leid und Verzweiflung, sondern fordern das Gesundheitswesen insgesamt durch den beträchtlichen medizinischen, personellen und betreuungsbezogenen Aufwand in hohem Maße. Die genaue Beobachtung des Geschehens, der bisherigen Entwicklung und der Erkennen von Trends anhand objektiver, solide erhobener Zahlen ist wichtig für die Orientierung der Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung und damit auch für die Gestaltung und die Ausrichtung der Gesundheitspolitik. „Krebsregister“ über bösartige Neubildungen sind ein bedeutender Indikator der Volksgesundheit.
Österreichweit erstes regionales Tumorregister in Vorarlberg
In Vorarlberg wurde 1978 mit Unterstützung der Landesregierung das erste Tumorregister in Österreich gegründet, das in regelmäßigen Abständen die gesammelten Daten über Inzidenz und Prävalenz von Morbidität und Mortalität an Tumorerkrankungen der Vorarlberger Bevölkerung erfasst und beschreibt.
Die bald 30 Jahre währende Befassung mit dieser Thematik und die diesbezüglichen Aktivitäten des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin bringt Vorarlberg gerne in diesen Überblick über die Kernregionen der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer ein. Unser Land hat sich vorgenommen, die Daten des Tumor-Registers so aufzuarbeiten, dass sie auch international vergleichbar und bewertbar sind. Dies hat uns auch die Teilnahme am Netzwerk „cancer incidence in five continents“ ermöglicht.
Krebserkrankungen in Vorarlberg
Derzeit erkranken in Vorarlberg jährlich rund 1.300 Personen an Krebs. In Fällen 600 pro Jahr führt Krebs in Vorarlberg zum Tod. Darunter viele Kinder und Jugendliche. Das sind „nackte“ Zahlen. Diesen gegenüber stehen aber Menschen, Kinder, Einzelschicksale und Angehörige. Als gesunder Mensch kann man nur erahnen, wie viel Mut erforderlich ist, der Krankheit Krebs den Kampf anzusagen. Denn schon allein die Diagnose ist ein harter Schlag und zugleich eine der schwersten Prüfungen. Umso wichtiger ist es, zu informieren, Angst zu nehmen, Mut zu schenken und Hoffnung zu geben. Der Krebsatlas Alpenraum ist ein wichtiger Beitrag dazu.
Risikofaktoren
Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflussen die Häufigkeit und Sterblichkeit bei Krebs mehr, als das durch Untersuchungen und Therapie erreicht werden kann:
Die signifikantesten Risiken sind:
• Rauchen und Alkoholkonsum
• Fettleibigkeit
• Geringer Obst- und Gemüsekonsum
• Bewegungsmangel
• Ungeschützter Sexualverkehr
• Umweltverschmutzung und Feinstaubbelastung
In den industriellen Regionen können 80% der Mund- und Kehlkopfkarzinome auf Alkoholkonsum und Rauchen zurückgeführt werden. 85% der Speiseröhrenkarzinome stehen in Zusammenhang mit Alkoholkonsum, Rauchen und geringem Obst- und Gemüsekonsum. Es wird angenommen, dass 37% aller Karzinome in den industriellen Regionen auf Lebensstil und Umweltfaktoren zurückzuführen sind.
Empfehlungen
Eine deutliche Reduktion der Krebsinzidenz und Mortalität kann in erster Linie durch primäre Prävention, d.h. durch Beeinflussung von Lebensstil und Umweltfaktoren erzielt werden. Ein gesunder Lebensstil (Bewegung, Ernährung, Lebensfreude, Rauchfreiheit und mäßiger Alkoholkonsum) und die Reduktion von Umweltfaktoren mit erhöhtem Risiko können Krebsinzidenz und Mortalität deutlich reduzieren.
Im Rahmen der sekundären Prävention kommt für einige wenige Erkrankungen eine Verbesserung des Screenings in Frage. Vor allem eine Intensivierung des Screenings auf Vorstufen des Zervixkarzinoms und des kolorektalen Karzinoms kann eine deutliche weitere Senkung der Inzidenz und Mortalität erzielen.