Suizidbericht Vorarlberg 2009
Vier von fünf Suizidtoten sind Männer
Nach Wien und Salzburg ist Vorarlberg das Bundesland mit den wenigsten Suiziden pro
Einwohner. In den vergangenen 25 Jahren gab es nur drei Jahre mit weniger Suiziden in Vorarlberg als das Jahr 2009.
Während in Vorarlberg doppelt so viele Frauen wie Männer Suizidversuche unternehmen, sind vier von fünf Menschen, die durch Suizid sterben, Männer. Im Österreich-Durchschnitt ist das Verhältnis eins zu drei.
Bei Männern oft berufliche Gründe
Laut Suizidbericht sind bei Männern vor allem berufliche Gründe ausschlaggebend, bei Frauen
sind oft psychische Probleme der Auslöser für einen Suizid.
Beruflich erfolgreiche Männer seien offenbar besonders gefährdet, heißt es in dem Bericht.
Ansehensverlust, das Nichterfüllen von Erwartungen und hohe Ansprüche an sich selbst
spielten dabei unter anderem eine Rolle.
Zudem scheine es für Männer bei Depressionen viel schwerer zu sein als für Frauen, Hilfe in
Anspruch zu nehmen. Depressive Erkrankungen gehen bei Männern mit einem höheren
Suizidrisiko einher als bei Frauen. Auch der Umgang mit Trennungen fällt Männern besonders
schwer.
Ansprechpartner für Betroffene
Um eine Ansprechmöglichkeit für Menschen in Krisen zu schaffen, wurde in den 1950ern die
Telefonseelsorge eingerichtet. Sie ist rund um die Uhr unter der Nummer 142 zu erreichen.
Auch die Beratungsstellen des Instituts für Sozialdienste, die niedergelassenen Fachärzte,
alle Beratungsstellen des Arbeitskreises für Vorsorge und Sozialmedizin sowie Pro Mente
bieten Unterstützung in Notsituationen an.
Aussprache kann Betroffenen helfen
Rund 80 Prozent der Suizidversuche werden vorher angekündigt. Oft finden Betroffene aber
niemanden, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können, heißt es in dem Bericht. Es
gelte, die Mitmenschen mit Warnsignalen vertraut zu machen.
Wichtig sei es, Signale wahrzunehmen, Betroffene anzusprechen und mit ihnen über ihre Probleme zu reden. Als Vorbild zur Aufklärung der Bevölkerung könnte laut Bericht das Projekt "Fünf Minuten/Schritte, um Leben zu retten" aus den USA dienen. Damit wurde die Bevölkerung USA-weit in den Medien über Suizid-Warnsignale und konkrete Hilfsschritte informiert.
Als Warnsignale werden etwa schwer kontrollierbare Aggressionen, Hoffnungslosigkeit,
dramatische Stimmungssschwankungen oder die Ankündigung, sich etwas antun zu wollen,
angeführt.
Häufung: junge Erwachsene und Senioren
Hinsichtlich der Altersverteilung wurde im vergangenen Jahr in Vorarlberg eine Häufung bei
der Gruppe der jungen Erwachsenen registriert, ebenso der Menschen im mittleren Lebensalter und der Personen über 75 Jahren mit acht der 41 Todesopfer.
Bei den älteren Betroffenen werden als Suizidgründe Isolation und Vereinsamung oder
auch Altersdepressivität genannt.
Seit 2006 auf relativ niedrigem Niveau stabil
Die Suizidzahlen in Vorarlberg zeigen seit 2006 eine Stabilisierung auf relativ niedrigem Niveau, stellten die Studienautoren fest.
Niedrigere Werte als zuletzt seien in den vergangenen 30 Jahren nur 1998 - damals gab es
43 Suizidtote - und 1999 mit 48 Toten verzeichnet worden. Die Höchstzahlen aus der
Mitte der 1980er Jahre seien Vergangenheit, im Jahr 1985 gab es 81 Tote durch Selbsttötung.
Fast doppelt soviel Suizid- wie Verkehrsopfer
Umgekehrt müsse man sich aber vor Augen halten, dass es in Vorarlberg beinahe doppelt so
viele Suizid- wie Verkehrstote gebe.
Vorarlberg hat drittgeringste Suizidrate
Die Suizidrate Vorarlbergs war 2009 mit 13,3 Selbsttötungen pro 100.000 Einwohner die
drittniedrigste österreichweit. Die geringste Rate hat Wien mit 12,2 Suiziden pro 100.000
Einwohner, die zweitniedrigste Salzburg mit 12,9.
Bei insgesamt 1.273 Suiziden in Österreich wiesen im vergangenen Jahr die Steiermark (19,6), Kärnten (17,7) und Tirol (16,0) die höchsten Suizidraten auf, der bundesweite Durchschnitt belief sich auf 15,2. Von der WHO ist das Ziel einer Suizidrate von 15 vorgegeben.