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<b>Gesundheitsforschung in Vorarlberg</b>

Gesundheitsforschung in Vorarlberg

Unser 1. Kooperationspartner die Universität Ulm

Die von den Ärztinnen und Ärzten über Jahrzehnte exakt erhobenen Befunde der Gesundenuntersuchung wurden von Anfang an im Arbeitskreis für Vorsorge– und Sozialmedizin (aks) archiviert und ab den frühen 90er Jahren mit Unterstützung nationaler und internationaler Partner wissenschaftlich ausgewertet. Dabei werden die Ergebnisse der Gesundenuntersuchungen mit den Daten des Krebsregisters und Sterbedaten der Statistik Austria laufend zusammengeführt.

 

Die Gesundheitsforschung im aks findet international immer mehr Beachtung. Wie ist es dazu gekommen?                                                                                                             

Dr. Concin: In weiser Voraussicht hat der Gründungspräsident OMR Dr. Leopold Bischof schon beim Start der Gesundheitsprogramme entschieden, dass alle erhobenen Daten dokumentiert und archiviert werden. Das ist zu einem so frühen Zeitpunkt fast einzigartig in Europa und ermöglicht uns heute Langzeitverläufe der Gesundheit zu studieren.

 

Welche Daten wurden gespeichert?                                                                        

Dr. Concin: Grundsätzlich wurden alle Programmdaten gesammelt. Von den ganz großen Vorsorgeprogramme, das sind die Schwangerenuntersuchung (vom aks eingeführt im Jahr 1968) die Frauen-Vorsorgeuntersuchung (aks 1970) und die allgemeine Gesundenuntersuchung (aks 1972) wurden die Befunde auf einer standardisierten Karte eingetragen und im aks auf Lochkarten übertragen.

Die Auswertung dieser Lochkarten ist bei der sehr hohen Beteiligung der Vorarlberger Bevölkerung an diesen Gesundenuntersuchungen bald an ihre Grenzen gestoßen. Sehr früh wurde dann, kaum waren Computer erhältlich und erschwinglich, auf eine elektronische Datenerfassung umgestellt.

 

Wer hat das finanziert?                                                                                                           

Dr. Concin: Die Kosten der Gesundheitsdatenbank wurden und werden von der Vorarlberger Landesregierung und der Gebietskrankenkasse getragen. Das Krebsregister wurde von der Österreichischen Krebshilfe finanziert, ab 1991 ebenfalls von der LR übernommen.

 

Welche Daten sind heute wissenschaftlich besonders wertvoll und auch von praktischer Bedeutung?                                                                                                      

Dr. Concin: Von den zahlreichen dokumentierten Programmen hat die Gesundenuntersuchung, international „Vorarlberg Health Monitoring and Promotion Programm“ (VHM&PP) genannt, die größte Bedeutung erlangt. Von über 180.000 Frauen und Männer mit Wohnsitz in Vorarlberg wurden seit Anfang der 1980er Jahre über 600.000 Untersuchungen elektronisch dokumentiert. Ausgehend von der ersten Vorsorgeuntersuchung kann im zeitlichen Verlauf die Gesundheit und das Auftreten von Krankheiten beobachtet und in Beziehung gesetzt werden.

 

Welche Erkenntnisse wurden gewonnen?                                                                              

Dr. Concin: Von Anfang an wurden 2 Ziele verfolgt: Den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu erfassen und gleichzeitig zu beraten, zu begleiten und zu motivieren einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Bei auffälligen Befunden wurden die Vorsorgeprobanden einer Therapie zugewiesen.

Die weltweit erste Langzeitstudie wurde bald nach dem 2. Weltkrieg in Framingham (Vorort von Boston/Massachusetts/USA) begonnen. An einer relativ kleinen Personengruppe wurde beobachtet wie sich medizinische Daten, z.B. Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und andere Befunde auf den weiteren Verlauf der Gesundheit auswirken. Bis zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar nachgewiesen, dass ein erhöhter Blutdruck vermehrt Hirnschlag verursacht, ein hohes Cholesterin mit vermehrtem Herzinfarkt vergesellschaftet ist und ein erhöhter Blutzucker Arteriosklerose verursacht. Auch ist in der Framinghamstudie die verheerende Wirkung des Rauchens rasch zu Tage getreten. Diese Erkenntnis wurde allerdings lange durch bestochene Wissenschaftler der Tabakindustrie unterdrückt.

 

Welche Erkenntnisse konnten durch die Vorarlbergstudie gewonnen werden?           

Dr. Concin: Vorausschicken muss ich, dass diese Erkenntnisse für Gesunde und nicht für Kranke gelten. Ein wichtiges Studienergebnis ist, dass sogenannte Risikofaktoren wie Gewicht, Blutzucker und Blutdruck sich umso ungünstiger auswirken je früher sie auftreten. Z.B. erhöht ein hohes Cholesterin in der ersten Lebenshälfte wesentlich das Herzinfarktrisiko, während mit zunehmendem Alter dieser Zusammenhang bei gesunden Frauen nicht mehr nachweisbar ist.

Von Interesse ist auch, dass sich Gesundheitsdaten in der Bevölkerung über die Jahre verändern. Ein erfreulicher Trend zeigt sich beim Blutdruck und Cholesterin die eine deutlich fallende Tendenz zeigen während die Zuckerwerte in den letzten Jahrzehnten eindeutig ansteigen. Solche Erkenntnisse nehmen Einfluss auf die Präventionssteuerung.

Für viele Krebserkrankungen konnten wir in Kooperation mit skandinavischen Zentren den Zusammenhang von Stoffwechselstörungen und Krebs nachweisen.

Ein besonderes Anliegen war uns von Anfang an, die Daten von Frauen und Männern getrennt auszuwerten und Unterschiede aufzuzeigen: Adam ist nicht Eva.

 

Fortsetzung folgt!

Veröffentlicht am:
02. Feb. 2017
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