Alle Artikel von Martina Ruck

Medienkonsum bei Kindern

Medienkonsum bei Kindern ist unbestritten ein wichtiges Thema in der Gesundheitserziehung von Kindern. Eltern sind heillos überfordert, denn die Auswahl an Computerspielen und TV Sendungen überflutet uns alle. Serien wie „Flipper“ oder „Lassie“ kennt der Nachwuchs nicht mehr und die neuen Sendungen wie „Naruto“ oder „Storm Hawks“ sind den Eltern unbekannt. Mag. Irene Fitz von der aks gesundheit, beleuchtet als Kinder- und Jugendpsychologin den erhöhten Konsum aus psychologischer und vor allem neurobiologischer Sicht.

 

Was halten Sie davon, wenn Kinder TV oder andere Medien konsumieren?

Fitz: Medien gehören in unserem Breitengrad zum Leben, wie der Schnee im Winter. Zuviel plagt uns und zu wenig erzeugt ein Gefühl des Mangels. Auf die richtige Dosis kommt es an und auf die Auswahl von Spielen oder Sendungen. Wenn noch genug soziale Kontakte gelebt werden, der Bewegungsdrang gefördert und die Sinne in der Natur geschärft werden, können Kinder durch Medien auch dazu lernen.

 

Sie meinen, Kinder können auch vom Fernsehen profitieren?

Fitz: Es gibt Studien die bestätigen, dass Fernsehen bildet. So freuen sich beispielsweise „Sesamstraßen – Gucker“ mehr auf die Schule, erkennen Buchstaben und zählen besser als Kinder, die gar nicht oder nur reines Unterhaltungsprogramm schauen. Im Idealfall lernen Kinder bei Wissenssendungen, Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern ihrer natürlichen Neugier zu folgen. Allerdings lernen Vorschulkinder von der „Sesamstraße“ nur dann, wenn ihre Eltern oder andere Personen mit ihnen über die Sendung sprechen.

 

Sollte man Kinder vor dem Fernseher alleine lassen?

Fitz: Kinder brauchen zunächst die Orientierung am Erwachsenen und können nicht allein Medienkompetenz erwerben. Fernsehen will gelernt sein. Am besten ist, wenn  Sendungen, die das kindliche Verfassungsvermögen übersteigen, erst gar nicht angeboten oder erlaubt werden. Viele Filme sind einfach zu komplex, zu drastisch oder zu banal für die Kinder.

 

Was halten Sie von der Aussage: „Fernsehen macht süchtig, krank, dick und dumm!“?

Fitz: Aussagen dieser Art sind in verschiedenen Medien und Elternratgebern immer wieder zu lesen. Die negativen Folgen für Kleinkinder, die mehr als zwei Stunden täglich vor dem TV-Gerät sitzen – sogenannte „Vielseher“ – sind bestens erforscht und man fragt sich, woran es liegen könnte. Werfen wir dazu einen Blick auf die Erkenntnisse der Neurobiologie.

 

Gibt es konkrete Studien oder Erfahrungen aus der Neurobiologie?

Fitz: Gerne möchte ich auf den renommierten Neurobiologen Gerald Hüther verweisen, der sagt: „Bis vor wenigen Jahren noch haben die Neurobiologen geglaubt, genetische Programme würden im Hirn alles automatisch „zusammenstöpseln“. Die komplexen neuronalen Netzwerke, die unser Denken, Fühlen und Handeln steuern, hielt man für genetisch programmiert. Inzwischen wissen wir, dass sich nur solche Verknüpfungen im Hirn des Kindes langfristig ausbilden, die auch in der konkreten Lebenswelt regelmäßig aktiviert werden. Das, was ungenutzt bleibt, schrumpelt wieder weg.“

 

Was bedeutet dies für unsere Kinder und den täglichen Umgang mit Medien?

Fitz: Wer zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, dem bleibt zu wenig Zeit, echte Erfahrungen zu machen, die Welt mit den eigenen Sinnen und Händen zu „begreifen“. Die Wissenschaft ist sich einig: „Wenigseher“ sind kompetenter und erzielen höhere Schulabschlüsse als „Vielseher“.

 

Was können Sie den Eltern empfehlen?

Fitz: Kinder sind von Natur aus wissbegierig und selbststeuernd aktiv. Sie brauchen von Klein an möglichst viele Gelegenheiten, um frei zu spielen, Handlungen zu planen, Frustrationen auszuhalten, den eigenen Antrieb zu regulieren, kreativ zu sein, sich zu bewegen. Baby und Kleinkinder sollten nicht fernsehen. Wenn Kinder dann später, ab sechs Jahren öfter vor dem Bildschirm sitzen, dann am besten mit den Eltern. Zumindest wäre es gut, wenn im Anschluss an die Sendung mit Erwachsenen über die Inhalte gesprochen werden kann. Dann ist der Lerneffekt am größten.

 

Quellen:

http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/zeitschriften/geo-kompakt-interview-gerald-huether/

Weihnachten, das Fest der Liebe

Kinder freuen sich das ganze Jahr darauf, Eltern haben oft angesichts der Mengen ein ungutes Gefühl: Weihnachtsgeschenke. Dabei sind es nicht immer die materiellen Dinge, die den Kindern wirklich Freude bereiten. Frau Mag. Irene Fitz, Psychologin der aks gesundheit, appelliert: Mehr Zeit miteinander verbringen, statt große Geschenke machen. 

 

Kann man Kinder zu Weihnachten „überschenken“?
Fitz:
 Grundsätzlich ist es nicht schlimm, Kinder hin und wieder richtig zu verwöhnen, besonders zu Weihnachten. Solange dies die Eltern tun, um ihren Kleinen wirklich eine Freude zu machen und nicht etwa aus schlechten Gewissen, weil sie zu wenig Zeit mit ihnen verbringen.

 

Warum machen sich die Eltern wegen der Geschenke solche sorgen?  

Fitz: Ob Onkel, Tante, Oma oder Opa: Alle möchten die Kinder großzügig verwöhnen. So kann ein Wettkampf nach dem Motto „Wer bringt das größere Geschenk?“ entstehen. Dann stürzt eine Flut von Päckchen auf die Kinder ein und überfordert sie. Die momentane Freude ist zwar groß, doch sie ist oft nur von kurzer Dauer und erzeugt eine sehr hohe zukünftige Erwartungshaltung. Die Kinder können sich über kleinere Geschenke kaum noch freuen.
 

Sie meinen, die Freude hält nicht an?
Fitz:
 Kinder sind schnell gesättigt, wenn sie oft neue Spielsachen oder Geschenke bekommen. Sie beginnen dann, den Wert eines Geschenkes anhand der Größe zu messen und bringen dies mit dem eigenen Selbstwert in Verbindung. „Wenn ich große Geschenke bekomme, bin ich anderen etwas Wert, sonst nicht.“

 

Welche Auswirkung hat das auf den Selbstwert des Kindes?
Fitz:
 Gerade Kinder, die wenig Liebe, Zeit und Zuwendung erhalten, beginnen, den Wert von Beziehungen an materiellen Leistungen zu messen. Dabei haben Kinder eigentlich nichts lieber, als Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen, das bestätigen auch aktuelle Studien aus Vorarlberg. 

 

Soll man dann überhaupt große Geschenke zu Weihnachten in Betracht ziehen? 

Fitz: In unserem Kulturkreis werden besonders zu Weihnachten „große“ Geschenke erwartet. Hat Ihr Kind einen großen Wunsch, verpacken Sie das Geschenk doch in Einzelteile. So kann jeder einen Teil davon schenken und das Präsent sieht gleich viel größer aus. Zudem erhöht es die Vorfreude, wenn sich Kinder auf ein gewünschtes, lang ersehntes „großes“ Geschenk freuen dürfen
 

Was für einen Nutzen hat die Vorfreude?
Fitz:
 Alleine schon die Aussicht auf das bevorstehende Geschenk macht gute Stimmung. Außerdem fördert es die Entscheidungskompetenz, wenn sich Kinder aus der Fülle an Angeboten erst einmal etwas aussuchen und ihnen erklärt wird, dass man nicht immer alles haben kann. Dabei lernen Kinder abzuwarten, ihre Bedürfnisse aufzuschieben und Rücksicht zu nehmen. In weiterer Folge erhöht sich dadurch die Frustrationstoleranz und Geduld. 

 

Wie kann ich die Geschenkmenge einschränken?
Fitz:
 Eine mögliche Strategie ist, feste Regeln zu vereinbaren. Das heißt, jedes Familienmitglied darf sich zu Weihnachten etwas wünschen, es darf auch ruhig einmal etwas Größeres sein. So bekommt jeder, was sie oder er möchte und die Frage der Menge erübrigt sich. Wenn man dann auch noch das Weihnachtsfest gemeinsam feiert und die leuchtenden Augen der Kinder sehen kann, haben alle mehr davon.

 

Freunde und Verwandte bringen aber ebenfalls Geschenke mit…

Fitz: Sprechen Sie sich schon im Vorfeld ab und definieren Sie den Rahmen der Geschenke. Kinder wünschen sich oft Dinge, die Eltern lieber vermeiden wollen. Freunde und Verwandte sollten das berücksichtigen, denn die Eltern sind verantwortlich für das Wohl und Gedeihen ihrer Kinder und haben meist ein gutes Gespür, was diese wirklich brauchen – häufig sind es nicht einmal materielle Dinge.

 

Also gibt es auch für Freunde und Verwandte Alternativen zu materiellen Geschenken?
Fitz:
Ein Adventskalender muss beispielsweise nicht immer Schokolade beinhalten: Überraschen Sie Ihre Lieben mit Gutscheinen für Ausflüge ins Hallenbad oder eine Rodelpartie. Sie bereiten nicht nur dem Kind eine Freude und schöne Erinnerung, sondern schenken den Eltern zusätzlich Zeit.

Stigmatisierung – Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen

Die Haltung der Bevölkerung gegenüber psychisch kranken Menschen ist stark von Vorurteilen geprägt. Dies fördert die Stigmatisierung und Diskriminierung der Betroffenen weiß Sozialarbeiter Johannes Wolf-Nuderscher von der aks gesundheit.

 

Was versteht man genau unter Stigma?
Wolf-Nuderscher: Stigmatisieren bedeutet jemanden brandmarken, jemandem oder einer ganzen Gruppe bestimmte, von der Gesellschaft als negativ bewertete Merkmale zuordnen, jemanden in einer diskriminierender Weise kennzeichnen.

 

Inwieweit sind psychisch Kranke davon betroffen?
Wolf-Nuderscher: Psychisch Kranke, und hier vor allem an Schizophrenie Erkrankte, sind in einem besonders hohen Ausmaß davon betroffen. Sie gelten gemeinhin oft als unheilbar, unberechenbar und gefährlich. An diesem falschen Bild sind auch manche Medien mitverantwortlich.

 

Inwiefern?
Wolf-Nuderscher: Die Medienberichterstattung über psychisch Kranke in Fernsehen und Printmedien ist oft sehr negativ. Wer kennt nicht die Schlagzeile, dass ein „mutmaßlich geistesgestörter Täter“ eine abscheuliche Gewalttat begangen hat. Dabei sind Gewalttaten psychisch Kranker statistisch nicht häufiger als in der  Durchschnittsbevölkerung.

 

Was hat diese Stigmatisierung für die Betroffenen für Konsequenzen?
Wolf-Nuderscher: Die Folgen sind geringeres soziales Ansehen, Arbeitsmarktchancen und soziale Teilnahme sowie Ausschluss und Isolierung. Die sozialen Folgen der Stigmatisierung müssen als zweite Krankheit verstanden werden unter der die ganze Familie leidet.

 

Inwieweit sind auch die Angehörigen von Stigmatisierung betroffen?
Wolf-Nuderscher: Auch die Angehörigen sind von Isolation, Ängsten vor allem aber Schuldzuweisungen betroffen. Oft werden in der Öffentlichkeit Eltern ungerechterweise für die psychische Erkrankung ihres Kindes verantwortlich gemacht, die Schuld in falscher Erziehung, schlechtem Familienklima gesucht.

 

Wie kann man dieser Stigmatisierung entgegenwirken?
Wolf-Nuderscher: Auf der gesellschaftlichen Ebene unternimmt man Versuche zur Entstigmatisierung durch Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärungsarbeit und Anti-Stigma-Kampagnen. Aber die Veränderungen von Einstellungen und Haltungen der Bevölkerung dauert sehr lange. Zudem hat Stigmatisierung sowohl eine individuelle als auch eine gesellschaftliche Funktion.

 

Was meinen Sie damit?
Wolf-Nuderscher: Stigmatisierung von anderen hilft, die eigene Normalität zu betonen, denn ohne die Stigmatisierten wäre es kein Vorteil, „normal“ zu sein.
Auf gesellschaftlicher Ebene werden Aggressionen und Unzufriedenheiten auf Randgruppen, wie eben die psychisch Kranken kanalisiert.

 

Wie kann man den Betroffenen helfen?
Wolf-Nuderscher: Ein anderer Ansatz ist die Befähigung der psychisch Kranken zur Stigmabewältigung. Dazu ist es notwendig, dass die Kranken ihre Diagnose kennen, dass sie fachlich begründetes Wissen über sie erwerben und dass sie sich auf die Auseinandersetzung mit ihr einlassen. So können sie die unrichtigen und ungerechten Vorurteile als solche erkennen und sich dagegen wehren.

 

Was bietet in dieser Hinsicht die aks gesundheit an?
Wolf-Nuderscher: Einerseits versuchen wir die Öffentlichkeit z. B. durch unsere Vortragsreihe „Von der Seele reden“ über psychische Krankheiten zu informieren und damit Vorurteile und falsche Vorstellungen abzubauen. Andererseits unterstützen wir unser Klientel in Einzel- und Gruppengesprächen in eben dieser Stigmabewältigung, denn die Betroffenen brauchen jetzt Hilfe.

 

Gibt es sonst noch Aktivitäten in diese Richtung?
Wolf-Nuderscher: Ein weiterer Aspekt ist der gemeinsame Dialog von Betroffenen und Nicht-Betroffenen. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Vorurteile sich durch einen direkten Kontakt schneller abbauen lassen. Der Rahmen für den gemeinsamen Dialog muss jedoch hergestellt werden. Da haben sich z. B. offene Café-Zeiten wie in unserem Montags-Café, verschiedene Feste und Tage der offenen Türe bewährt, bei denen wir auch mit Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten.

Das Seelenleid wegmalen

Die Ergotherapie hat einen wichtigen Stellenwert in der Therapie von psychischen Erkrankungen. Der Ansatz der Kunsttherapie geht darüber hinaus und kann innere Prozesse und Traumata sichtbar machen. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärt Jürgen Hänsch, Ergotherapeut in den Sozialpsychiatrischen Diensten der aks gesundheit.

 

Was genau ist Ergotherapie?

Hänsch: Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Handlung, Arbeit und Aktivität – wieder „in Gang kommen“. In der Praxis bedeutet das, dass die Ergotherapie immer handlungsorientiert arbeitet. Sie holt die Klientin oder den Klienten dort ab, wo er gerade ist und spannt den Bogen zu Tätigkeitsbereichen, die von der Selbstversorgung über Freizeitaktivitäten bis zur Arbeit reichen.

 

Für wen eignet sich Ergotherapie?

Hänsch: Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und umfassen motorisch-funktionelle, sensomotorische und neuropsychologische Störungen. Auch bei psychischen Erkrankungen wird Ergotherapie mit großem Erfolg eingesetzt, bei uns auch bei Demenz im Frühstadium.

 

Was bringt Ergotherapie bei psychischen Erkrankungen?

Hänsch: Sie aktiviert und soll den Klientinnen und Klienten dort begleiten und fördern, wo er Stärkung und Stabilität benötigt. So kann mithilfe der Ergotherapie z. B. der Tagesrhythmus neu aufgebaut oder stabilisiert werden. Dazu muss die Klientin oder der Klient seine Ressourcen erkennen, aktivieren und, wenn möglich, auch erweitern.

 

Wie funktioniert das genau?

Hänsch: Nachdem die Problemstellungen geklärt sind, wird ein Therapieplan mit überschaubaren Zielen formuliert. In Gruppen- und Einzelsitzungen werden verschiedene Handlungstechniken angewandt, je nach Zielsetzung. Dabei wird u. a. mit verschiedenen Materialien gearbeitet, z. B. Papier, Holz, Stein, Ton, Stoff oder Farben. Ebenso kann auch Einkaufs- und Kochtraining für den Alltag ein Thema sein.

 

Das klingt sehr künstlerisch und kreativ?

Hänsch: Kreativmaterialien helfen als Medium, durch das die Klientin oder der Klient sich selbst in der Handlung wieder neu spüren und einen verbesserten Selbstwert durch Erfolgserlebnisse erlangen kann. Das kann dazu führen, dass sie / er wieder an sich und ihre / seine Fähigkeiten glauben kann. Es kommen dabei meist gruppentherapeutische Aspekte hinzu. Auch Kunsttherapie kann in vielen Einzelfällen hilfreich sein.

 

Wie unterscheidet sich diese vom Kreativen in der Ergotherapie?

Hänsch: Die verwendeten Materialien sind ähnlich. Der Unterschied ist, dass die Ergotherapie nicht aufdeckend arbeitet. Das heißt, dass bei einem entstehenden Produkt nicht weiter gedeutet wird. Was entsteht, das entsteht. Dieses Produkt steht dann für sich.

 

In der Kunsttherapie ist das anders?

Hänsch: Die Kunsttherapie macht innere Prozesse durch Materialien und Medien der bildenden Kunst sichtbar. Bei Bereitschaft der Klientin oder des Klienten geht sie weiter in die Tiefe. Es werden z. B. einzelne Aspekte einer bildhaften Darstellung genauer angeschaut und reflektiert. So können bisher im Verborgenen schlummernde Lösungsmöglichkeiten auftauchen oder es können sich Problemstellungen in einem neuen Licht zeigen. Die neuen Sichtweisen und Aspekte können sich dann sehr hilfreich auf das Alltagsleben der Klientin oder des Klienten auswirken.

 

Warum ist diese Therapie bei psychischen Erkrankungen sinnvoll?

Hänsch: Künstlerische Medien können helfen insbesondere Traumata, die im Laufe eines Lebens erlitten wurden, anzuschauen. Das kann dazu beitragen, überhaupt erst einmal darüber reden zu können und in der Folge das Erlebte in ertragbare Prozesse umzuwandeln.

 

Bei welchen psychischen Störungsbildern eignet sich Kunsttherapie?

Hänsch: Eigentlich für alle Krankheitsbilder der psychischen Erkrankungen: schizophrene- und affektive Psychosen wie Depression und Manie, Persönlichkeitsstörungen wie z. B. die Borderline-Störung und auch neurotischen Störungen wie z. B. Angststörung, ebenso das Bild des Burn-out-Syndroms. Dies gilt auch für die Ergotherapie.

 

Wer bietet Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen an?

Hänsch: Die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit bieten Ergotherapie an den Außenstellen Götzis und Bürs an, in Egg und Dornbirn wird die Ergotherapie in Verbindung mit Kunsttherapie angeboten. Die Zuweisung zu den Angeboten der aks gesundheit erfolgt durch eine Ärztin oder einen Arzt mittels Reha-Schein.

Der schnelle Kick: Gesundheitsrisiko Drogen

Das Gesundheitsrisiko durch Drogen ist nicht nur bei harten Drogen enorm. Schon bei längerem Canabiskonsum drohen gerade Jugendlichen dauerhafte Gesundheitsschäden, warnt Dr. Helmut Klien Psychiater und Stellenarzt der Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit in Dornbirn.

 

Wie wirken Drogen?

Klien: Drogen sind Substanzen, die auf unseren Körper, unser Gehirn einwirken und in der Rege zu Empfindungen führen, die als angenehm empfundenen werden. Normalerweise haben wir solche Gefühle, wenn uns Angenehmes widerfährt, wenn wir beispielsweise etwas Schönes erleben. Das Gefühl hat also einen Bezug zu einem Ereignis außerhalb von mir. Die Droge führt zu Veränderungen im Innenleben, denen keine entsprechenden äußeren Ereignisse zugrunde liegen.

 

Was ist daran das Schädliche?

Klien: Der Drogenkonsument wendet seinen Blick nach innen. Er manipuliert sich bzw. seine Empfindungen und Gefühle. Er hat Glücksgefühle ohne einen Grund zu haben, sich über etwas zu freuen. Er belügt sich selbst.

 

Betrifft das auch Cannabis?

Klien: Natürlich gilt das auch für diese Droge. In der immer wieder lauthals geforderten Legalisierung von Cannabis wird auf die angeblich fehlende Gesundheitsgefährdung und Harmlosigkeit dieser Droge hingewiesen und dabei nur der körperliche Aspekt gesehen.

 

Gilt das für alle Konsumenten dieser Droge?

Klien: Besonders gefährdet sind Jugendliche. Das Einstiegsalter für Cannabis liegt in Vorarlberg zwischen dem 14. oder 15. Lebensjahr. Besonders betroffen sind Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen. So können beispielsweise fehlende familiäre Bindungen oder mangelnde Ausbildung und damit keine Zukunftschancen dazu führen, dass die Jugendlichen wenig positive Erlebnisse im Alltag haben und deshalb zu Drogen greifen.

 

Warum werden gerade diese Jugendlichen süchtig?

Klien: Sie verschaffen sich ihre positiven Gefühle über die Droge und nicht über den „Umweg“ von eigenen Aktivitäten und Sozialkontakten. Das Glücksgefühl baut nicht mehr auf dem Leben auf, sondern ist das Ergebnis aus einem chemischen Eingriff in das Gehirn. Mit der Zeit wird die Droge zum Mittelpunkt des Lebens. Darunter leidet der Umgang mit Freunden, das Berufsleben, die Freizeitgestaltung. Der Griff zur Droge ist einfacher, rascher, erfordert keinen Aufwand. So entsteht süchtiges Verhalten.

 

Warum ist Cannabis bei Jugendlichen so gefährlich?

Klien: Es ist oft nur eine Einstiegsdroge, harte Drogen folgen. Ein psychisch gefestigter, reifer Mensch kann mit einer weichen Droge viele eher so umgehen, dass er keinen Schaden davonträgt.

 

Gibt es andere Gefährdungen durch Cannabis?

Klien: Cannabisrauch enthält weit mehr Lungen schädigende Substanzen als der Rauch von Zigaretten. Inzwischen gibt es auch viele Studien, die belegen, dass Cannabiskonsum bei Menschen mit der Anlage zu Schizophrenie diese Erkrankung auslösen kann. Chronischer Konsum führt zur Beeinträchtigung von Gedächtnis und Aufmerksamkeit.

 

Was ist mit den anderen Drogen?

Klien: Die körperlichen Schädigungen sind sehr vielfältig. Die in unserem Kulturkreis häufigste Droge Alkohol führt bei langjährigem Missbrauch zu Leberschäden und Gehirnabbau. Dazu kommen die sozialen Probleme, die von häuslicher Gewalt bis zum Verlust des Arbeitsplatzes reichen.

 

Wie sieht das bei harten Drogen aus?

Klien: Von Kokain wird man sehr rasch psychisch abhängig. Es entwickeln sich häufig Depressionen oder Kokainpsychosen. Heroinkonsumenten setzen sich neben der starken körperlichen Abhängigkeit der Gefahr aus, sich mit Hepatitis oder AIDS zu infizieren, weil oft  gebrauchte Spritzen benutzt werden. Sowohl Heroin als auch Kokain führen infolge der hohen Kosten zu Beschaffungskriminalität und damit zusammenhängenden gesundheitlichen Gefährdungen (Prostitution). Bei Ecstasy haben wir zunehmend Hinweise auf eine direkte Gehirnschädigung bei häufiger Einnahme.

 

Welche Hilfsangebote gibt es für Drogenkonsumenten?

Klien: Letztlich ist jeder Einzelne für seinen Umgang mit Drogen selbst verantwortlich. Aufgabe der Gesellschaft ist, entsprechende Informationen zu liefern, Präventionsprogramme und Therapiemöglichkeiten anzubieten. In Vorarlberg haben wir umfassende ambulante und stationäre Angebote.

Gehirntraining hält bis ins hohe Alter fit

„Wer rastet, der rostet“ trifft auch auf unser Gedächtnis zu. Aus diesem Grund ermöglichen die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit spezielle Trainingsprogramme für Menschen mit Gedächtnisstörungen. Ergotherapeutin Judith Zagrajsek informiert.

 

Wer ist die Zielgruppe?

Zagrajsek: Die Gedächtnistrainings der Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit wenden sich an Menschen mit beginnender Demenz oder kognitiven Störungen. Ein weiterer Bereich sind gezielte Gruppen- oder Einzeltherapien für psychisch Erkrankte.

 

Gibt es Anzeichen beginnender Demenz?

Zagrajsek: Ein demenzielles Syndrom umfasst drei Elemente. Erstens: Störungen des Gedächtnisses. Die Betroffenen merken sich beispielsweise gerade Besprochenes oder vereinbarte Termine nicht. Zweitens ist mindestens einer der folgenden Teilbereiche beeinträchtigt: Orientierung, Sprachverständnis, Lesen, Schreiben oder Rechnen. Drittens führen die damit verbundenen Einschränkungen des alltagsrelevanten Lebens häufig zum Rückzug.

 

Wer klärt Unsicherheiten ab?

Zagrajsek: Praktische Ärztinnen und Ärzte oder Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie / Neurologie beraten Personen, die unsicher sind, ob das Vergessen schon „krankhaft“ ist. Bei Bedarf überweisen sie die Klientinnen und Klienten an die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit und vermitteln so eine gezielte Therapie. Diese orientiert sich dann an den jeweiligen Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten, damit ein bestmögliches Ergebnis erzielt werden kann. Trainings-Schnuppertermine helfen, Schwellenängste abzubauen.

 

Wann und wo wird geübt?

Zagrajsek: Das Training der Klientinnen und Klienten mit beginnender Demenz oder kognitiven Störungen umfasst vier Stunden. Es findet jeden Dienstag von 9.00 bis 13.00 Uhr in den Räumen der aks Sozialpsychiatrischen Dienste in Dornbirn statt. Das Team aus Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten arbeitet nach unterschiedlichen Methoden.

 

Wie trainieren Sie konkret?

Zagrajsek: Wir beginnen mit dem kognitiven Training. Dieses dauert circa 1,5 Stunden. Es folgen die Sitzgymnastik, für eine verbesserte körperliche Beweglichkeit, und anschließend der alltagspraktische Teil. Das selbstständige Bewältigen von täglichen Aktivitäten ist ein wichtiger Teil der geistigen Fitness. Aus diesem Grund bereiten wir gemeinsam ein Mittagessen zu. Das fördert die Selbstständigkeit und trägt zur Geselligkeit bei, die im Alter oft verloren geht. Die Therapie soll die Auswirkungen der Krankheit vermindern und ein rasches Fortschreiten verzögern.

 

Welche Übungen gibt es?

Zagrajsek: Es gibt sehr viele unterschiedliche Trainingsmethoden. Wichtig ist die richtige Auswahl und Zusammenstellung der verschiedenen Übungen. Zum Beispiel Sprichwörter nennen und über ihre Bedeutung diskutieren, Geräusche und Lieder erraten, Gegenstände ertasten, Bilder analysieren oder Rätsel lösen. Wir vermitteln Erinnerungstechniken und spielen Spiele, in denen es um Kreativität, Erinnerung und Planung geht. Möglichst viele Bereiche des Gehirnes werden so aktiviert, trainiert und die Denkflexibilität angeregt.

 

Wie erfolgt das Training psychisch erkrankter Menschen?

Zagrajsek: Das Training erfolgt in Einzel- und Gruppentherapien. Ziel ist das Verbessern und der Erhalt kognitiver Funktionen: Beispielsweise das Wahrnehmen, zeitliches und räumliches Orientieren, Verarbeiten von Informationen, Steuern des Handelns oder die Aufmerksamkeit des Gedächtnisses. Auch komplexe geistige Fähigkeiten wie das Problemlösen werden geübt.

 

Gibt es allgemeine Regeln?

Zagrajsek: Das Gehirn ist trainierbar. Wie beim Sport ist ein regelmäßiges und ausdauerndes Training über einen längeren Zeitraum wichtig. Dies können mehrere über den Tag verteilte Übungen sein oder ein konkretes Trainings-Pensum zur selben Uhrzeit. Wichtig: Es soll Spaß machen, denn Leistungsdruck führt nur zu Denkblockaden.

 

Welche Rolle spielt der Körper?

Zagrajsek: Ein gesunder und aktiver Körper wirkt positiv auf die Leistungen des Gehirnes. Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und tägliche Bewegung.

 

Kann man Gedächtnisverlust vorbeugen?

Zagrajsek: Jeder kann selbst zu Hause etwas für seine „grauen Zellen“ tun. Bleiben Sie aktiv und neugierig. Lernen Sie eine Fremdsprache oder besuchen Sie einen Tanzkurs. Entdecken Sie neue Spiele. Zudem gibt es eine große Anzahl Bücher und Internetseiten zum Thema Gedächtnistraining – mit Übungen bis hin zu vorgefertigten Trainingsplänen.

Unser Zuhause als wertvolles Gut

Die Redewendung „My home is my castle“ drückt exakt die wichtige Bedeutung einer sicheren Unterkunft für uns Menschen aus. Welche Hilfen die aks gesundheit beim Verlust der Wohnung bietet, erklärt Dipl. Sozialarbeiterin Brigitte Plieger von den Sozialpsychiatrischen Diensten.

 

Welche Gründe führen zum Wohnungsverlust?

Plieger: Die Ursachen sind vielfältig. Der Mietvertrag endet oder die Trennung einer Partnerschaft erzwingt die Veränderung. Auch Mietrückstände oder eine aktuelle psychische Krise können Auslöser für die drohende Wohnungslosigkeit sein. Der Verlust der Unterkunft ist meist ein länger andauernder Prozess.

               

Was können Menschen in dieser Notlage tun?

Plieger: Sich frühzeitig Unterstützung holen und Kontakt mit den zuständigen Einrichtungen aufnehmen. Dies sind in erster Linie Organisationen, die in der ARGE Wohnungshilfe vernetzt sind. Dazu zählen: Caritas, DOWAS, IfS, Kaplan Bonetti Sozialwerke und die Kolpinghäuser Bregenz und Götzis. Menschen in einer psychischen Krisensituation oder mit einer psychischen Störung wenden sich an eine Einrichtung der Sozialpsychiatrie.

 

Stellen sich psychisch Erkrankten besondere Anforderungen?

Plieger: Stabilität spielt für diese Personengruppe eine große Rolle, dazu gehören in hohem Maß gesicherte Wohnverhältnisse. Das Ende eines Mietvertrages, ohne Aussicht auf eine leistbare Alternative, kann ihre gesundheitliche Situation verschlechtern. Durch die Veränderung der Wohnsituation entstehen Aufgaben, die häufig ohne Hilfe nicht bewältigbar sind. Oft kennen psychisch erkrankte Menschen Unterstützungsangebote gar nicht oder sie werden aus einem Gefühl der Überforderung heraus nicht beansprucht.

 

Wann ist „betreutes Wohnen“ eine Option?

Plieger: Die Beratung richtet sich immer nach der individuellen Situation der Klientin oder des Klienten. Wir suchen die bestmögliche Lösung. Falls ein eigenständiges Wohnen krankheitsbedingt nicht möglich ist, erschließen wir Angebote für betreutes Wohnen. Dieses bietet Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit der Erkrankung und einer Neuorientierung. Neben den Reha- und Langzeitwohngemeinschaften der aks Sozialpsychiatrischen Dienste bieten die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an.

 

Welche Rolle spielen therapeutische Wohngemeinschaften?

Plieger: Eigenständiges Wohnen hat einen hohen Stellenwert. Die Entscheidung, in eine therapeutische Wohngemeinschaft umzuziehen, wird oft als persönliches Scheitern erlebt. Dabei bieten gerade diese Einrichtungen einen geschützten Rahmen in und nach psychischen Krisen. Alltagspraktische Abläufe werden trainiert und eine gesundheitliche Stabilisierung ermöglicht.

 

Gibt es weitere Angebote?

Plieger: Die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit bieten auch ambulant betreutes Wohnen an. Die Förderung in den eigenen vier Wänden hilft bei der Bewältigung des Alltages und dem Aufbau einer Wochenstruktur. Einen wichtigen Beitrag leisten Freizeit- und Therapieangebote. Zudem wird die Unterstützung anderer Institutionen organisiert, zum Beispiel Mobile Hilfsdienste, Krankenpflegevereine oder Sozialpatinnen und Sozialpaten der Caritas.

  

Was ist die genaue Zielsetzung?

Plieger: Die Dauer aller Angebote der aks gesundheit orientiert sich am jeweiligen Betreuungsbedarf. Dies gilt auch für die Langzeitwohnmöglichkeiten. Das Ziel ist die Erreichung beziehungsweise Rückgewinnung einer möglichst großen Selbstständigkeit.

 

Wie setzt sich das Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterteam zusammen?

Plieger: Für die Erarbeitung individuell passender Lösungen greifen wir auf die speziellen Kompetenzen und Schwerpunkte unterschiedlicher Berufsgruppen zurück. Diese sind in den multiprofessionell zusammengesetzten Teams der Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit vertreten.

 

Wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Plieger: Wir unterstützen unsere Klientinnen und Klienten bei der Suche nach geeigneten Wohnmöglichkeiten. Dabei besteht eine besondere Herausforderung im Mangel an leistbarem Wohnraum. Uns ist deshalb der regelmäßige Kontakt zu den Wohnungsämtern und den Organisationen der ARGE Wohnungshilfe äußerst wichtig. Im Bedarfsfall helfen wir auch bei der Beantragung finanzieller Unterstützung.

Tageszentren geben positive Impulse

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind die Tageszentren (TAZ) der aks gesundheit eine wichtige Kontaktstelle. „Bei uns sollen sich die Besucherinnen und Besucher wohlfühlen“, erklärt Sozialarbeiterin Mag. (FH) Hanna Winter vom TAZ Bludenz den speziellen Therapieansatz.

 

Was genau ist ein Tageszentrum?

Winter: Es ist ein Ort der Begegnung mit therapeutischem Charakter. Menschen mit psychischen Erkrankungen, manchmal auch deren Angehörige und Freunde, verbringen hier eine angenehme Zeit miteinander. Alle sind willkommen und werden so angenommen, wie sie sind. Chronisch Kranke besuchen die Zentren ebenso, wie vorübergehend Erkrankte oder Gesunde. Wir bauen Schwellenängste ab, indem wir die Krankheit nicht primär in den Vordergrund stellen.

 

Welche Rolle spielt soziale Isolation?

Winter: Psychisch Erkrankte ziehen sich häufig von der Umwelt zurück. Sie bleiben zu Hause und vernachlässigen soziale Kontakte. Verschiedene Hilfestellungen der TAZ zur unkomplizierten Kontaktaufnahme mit anderen Menschen wirken vorbeugend.

 

Wie vermitteln die Zentren “mehr Lebensfreude“?

Winter: Die ungezwungene Atmosphäre ermöglicht positive Erfahrungen und das Entdecken, was gut tut. Die Woche beginnt mit dem Angebot eines gemeinsamen Frühstückes. Für die Laufgruppe dient das TAZ vorher und nachher als Treffpunkt. Das kreative Gestalten spielt bei uns eine wichtige Rolle. Wir haben auch einen großen Vorrat an Spielen. Alle diese gemeinsamen Aktivitäten fördern die Kommunikation.

 

Wird ein Mittagstisch angeboten?

Winter: Immer am Dienstag und Donnerstag bereiten kochinteressierte psychisch kranke Menschen unter Anleitung mit viel Liebe das Mittagessen für bis zu sechzehn Personen zu. Die Plätze sind schnell vergeben, daher bitte vorher anmelden.

 

Erhalten Sie positive Rückmeldungen?

Winter: Kürzlich war eine Dame mit ihrem Betreuer erstmals im Tageszentrum in Bludenz. Aufgrund einer Depression lebte sie seit geraumer Zeit sehr zurückgezogen. Sie fühlte sich wohl bei uns und kam häufiger, auch jetzt noch, nachdem sie die depressive Phase überwunden hat. In diesem Fall konnte sogar ein Krankenhausaufenthalt abgewendet werden. Eine wichtige Bestätigung für unser Team.

 

Ist Anonymität wichtig?

Winter: Stigmatisierung psychisch kranker Menschen spielt in unserer Gesellschaft leider immer noch eine Rolle. Deshalb herrscht im TAZ das Prinzip der völligen Anonymität. Hier können auf Wunsch vertrauliche Gespräche geführt werden, ohne persönliche Daten preisgeben zu müssen.

 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Winter: Wenn wir spüren, dass es einer Besucherin oder einem Besucher nicht gut geht, fragen wir nach. Manchmal regen wir einen Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt an. In anderen Fällen raten wir den Betroffenen, sich mit ihren Primärbetreuern (Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der aks gesundheit) in Verbindung zu setzen. Zudem weisen wir auf die Vereine Omnibus und HPE hin.

  

Welche Hilfe bieten diese Organisationen?

Winter: Omnibus ist ein österreichweit tätiger Verein von und für Psychiatriebetroffene. Ihre Mitgliederinnen und Mitglieder setzen sich für die Rechte und Anliegen von Menschen mit Psychiatrieerfahrung ein. HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) ist ein Selbsthilfeverein für Angehörige. Einmal im Monat findet im TAZ ein Treffen statt, bei dem sich Betroffene, Angehörige sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Omnibus und HPE austauschen.

 

Kommen viele Besucherinnen und Besucher?

Winter: Für manche Menschen ist das Tageszentrum zum zweiten Wohnzimmer geworden. Andere kommen sporadisch vorbei oder nutzen unsere Einrichtung für einige Monate, bis sie sich wieder gesünder fühlen. Pro Tag besuchen im Durchschnitt zehn Menschen das Tageszentrum in Bludenz.

 

Was sind die Kernpunkte Ihrer Arbeit?

Winter: Psychisch erkrankte Menschen bestehen aus viel mehr persönlichen Anteilen, als nur ihrer Erkrankung. Bei uns stehen die schönen Dinge des Lebens im Mittelpunkt. Die Menschen sollen wieder Freude entdecken und sich nach ihrem Besuch bei uns wohler fühlen. Wir versuchen unsere positive Einstellung weiter zu geben. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz.

 

 

Öffnungszeiten und Standort des Tageszentrums Bludenz:

Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8.30 Uhr bis Mittag.
Am Mittwochnachmittag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr.
Hermann-Sanderstraße 3 / 1 in Bludenz, in der Nähe des Bahnhofes.

Selbstbestimmtes Wohnen trotz psychischer Erkrankung

„Ein Haus wird nur einmal gebaut, ein Zuhause aber täglich neu.“ Dieses Zitat begleitet Nicole Hartinger und Jürgen Isopp von den Sozialpsychiatrischen Diensten der aks gesundheit. Die Dipl. psych. Gesundheits- und Krankenschwester und -pfleger unterstützen Menschen in und nach psychischen Krisen oder Erkrankungen in deren Wohnumfeld.

 

Was bedeutet Wohnen grundsätzlich?

Hartinger: Ein Grundbedürfnis jedes Menschen ist das selbstbestimmte Wohnen im eigenen Zuhause. Bei vielen Menschen mit psychischen Erkrankungen ist diese Möglichkeit vorübergehend erschwert. Es gibt jedoch verschiedene betreute Wohnformen mit individuell angepasster sozialtherapeutischer Unterstützung.

 

Welche Fördermöglichkeiten werden angeboten?

Isopp: Die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit bieten zwei verschiedene Betreuungsformen an: das ambulant betreute Wohnen im eigenen Zuhause und therapeutische Wohngemeinschaften. Pflegekräfte, Fachkräfte im Bereich Sozialarbeit und Therapie sowie Ärztinnen und Ärzte gewährleisten die Betreuung der Klientinnen und Klienten.

 

Wie unterscheidet sich die Unterstützung?

Hartinger: Man differenziert zwischen dem Betreuungsgrad und der Aufenthaltsdauer (Monate bis Jahre). Beim ambulant betreuten Wohnen lebt die betroffene Person in ihrer eigenen Wohnung. Die individuell angepasste Betreuung und Unterstützung zuhause liegt zwischen einer und mehreren Stunden pro Woche. Im Bereich der therapeutischen Wohngemeinschaften beziehungsweise Heime gibt es Reha- und Langzeitwohngemeinschaften.

 

Was sind „Reha-Wohngemeinschaften“?

Isopp: Die Bewohner erhalten eine Tagesbetreuung, meist von Montag bis Freitag. Die sozialtherapeutische und medizinische Begleitung sowie Unterstützung orientiert sich an den jeweiligen Bedürfnissen. Lebenspraktisches und Aktivitäten des Alltages stehen im Vordergrund.

 

Wie sieht die Förderung konkret aus?

Hartinger: Die betroffenen Personen unterstützen wir individuell in den Bereichen Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Beispiele sind Körperhygiene, Sauberhalten des Wohnbereiches, Umgang mit Geld oder Einkäufe. Auch die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft und die berufliche Integration werden gefördert. Die Schulung der Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung (Psychoedukation) hilft ihnen beim Bewältigen psychischer Störungen.

 

Was ist „Langzeitwohnen“?

Isopp: Inhaltlich ist es wie eine Reha-Wohngemeinschaft strukturiert, umfasst aber meist einen längeren Zeitraum. Zusätzlich zur Tages- gibt es die Wochenendbetreuung und einen Bereitschaftsdienst für die Nacht. Langzeitwohnheime waren früher wirklich „Heime“ mit hospitalisierten Klientinnen und Klienten. Heute führt man die Menschen mit viel Alltagstraining in die größtmögliche Selbstständigkeit. In ihrem bisherigen eigenständigen Leben gingen notwendige Strukturen und Tagesabläufe häufig verloren. Intensives Fördern und Begleiten baut diese wieder auf. Ziel ist, die Menschen in ein weniger betreutes, ambulant betreutes oder selbstständiges Wohnen zu begleiten.

  

Beschreiben Sie bitte das „ambulant betreute Wohnen“.

Hartinger: Es ist eine Eingliederungshilfe für chronisch psychisch kranke Menschen. Sie können nicht oder nicht mehr ohne Betreuung im eigenen Wohnraum leben. Durch regelmäßige sozialtherapeutische Betreuung gestalten sie ihren Lebensbereich dennoch weitgehend selbst. Koordinierte Aufgaben sowie Trainings- und Motivationsmethoden unterstützen den Alltag. Persönliche krankheitsbezogene Bewältigungsstrategien werden verbessert. Das ambulant betreute Wohnen sichert vielen Menschen ein weitgehend unabhängiges, selbstbestimmtes Leben.

 

Welche Rolle spielt eine gezielte Form der Beschäftigung?

Isopp: Viele Klientinnen und Klienten sind vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig. Der Mangel an Beschäftigung löst oft Gefühle des Nicht-Gebrauchtwerdens und Versagens aus. Das Fehlen von Strukturen hat zudem negative Auswirkungen auf die psychische Grunderkrankung. Eine sinnvolle Tages- und Wochenstruktur wirkt diesem Defizit entgegen und unterstützt die berufliche Rehabilitation.

Arbeit hilft Körper und Seele

Die Ergotherapie ist ein bedeutender Bestandteil in der sozialpsychiatrischen Behandlung. „Im Zentrum stehen das Tätigsein und Handeln“, erklären die Ergotherapeuten Sabrina Thöni und Michael Heubacher von den Sozialpsychiatrischen Diensten der aks gesundheit.

 

Was ist Ergotherapie?

Thöni: Diese Methode ist neben anderen Therapieformen wie zum Beispiel Psycho-, Musik-, Kunst- und Bewegungstherapie ein sozialtherapeutisches Verfahren und ein essenzieller Bestandteil der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung. Der Begriff Ergotherapie bedeutet tätig sein, handeln. Bereits der römische Arzt Galen kannte den Wert der Arbeit mit den Händen für die Heilung von Körper und Seele: „Arbeit ist die beste Medizin, die uns die Natur gegeben hat.“

 

Wie funktioniert diese Methode?

Heubacher: Ergotherapie begleitet, unterstützt und befähigt Menschen jeden Alters, die in ihrem täglichen Tun eingeschränkt sind oder eine Beeinträchtigung droht. Ziele sind das (Wieder)-gewinnen, Fördern und Erhalten der Handlungsfähigkeit im Alltag. Die Klientinnen und Klienten werden in der Selbstversorgung, Arbeit und Freizeit unterstützt.

 

Für wen eignet sie sich?

Thöni: Grundsätzlich ist diese Therapieform für Menschen jeden Alters mit motorisch-funktionellen, sensomotorischen und neuropsychologischen Erkrankungen geeignet. Auch bei psychischen Störungen wird Ergotherapie mit hohem Erfolg eingesetzt.

 

Welche psychischen Störungsbilder werden behandelt?

Heubacher: Die Therapieform eignet sich für alle Krankheitsbilder in der Psychiatrie: Schizophrenie, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, neurotischen Störungen, Suchterkrankungen, Burn-out, Demenz und viele mehr.

 

Wie arbeiten Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in der Sozialpsychiatrie?

Thöni: Zu Beginn formuliert man die Reha-Ziele gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten. Dabei stehen einfühlsames begleiten und intervenieren im Vordergrund, um die Fähigkeiten der Menschen in allen Lebensbereichen zu stärken.

 

Welche Ziele stehen im Vordergrund?

Heubacher: Neben anderem wird eine Tages- und Wochenstruktur erarbeitet. Wichtig sind zudem das Fördern zwischenmenschlicher Kontakte und der Fähigkeit zur Kommunikation sowie das Stärken der sozialen Kompetenz. Weitere Ziele sind: Abbau von Ängsten und Aggressionen, Steigern des Antriebs und Verbessern des Selbstwertgefühls beziehungsweise der Selbsteinschätzung. Auch Ausdauer, Geduld und das Verbessern der Konzentration und Merkfähigkeit werden unterstützt.

 

Wie wird konkret behandelt?

Thöni: Ergotherapie führt man sowohl in der Gruppe als auch mit einzelnen Klientinnen und Klienten durch. Die interaktionelle Methode ist eine Gruppentherapie und zielt auf die Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit. In Partner- und Gruppenarbeiten werden sowohl Individualität als auch das Anpassen an eine Gemeinschaft gelebt.

 

Welche Einzeltherapien gibt es?

Heubacher: Zum einen gibt es die ausdruckszentrierte Methode. Über das kreative-gestalterische Tun – wie etwa Malen – kann die Klientin, der Klient sich selbst wahrnehmen und somit besser kennen lernen. Eine andere Technik ist die kompetenzzentrierte Methode. Hier erwirbt man verloren gegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten. Dabei steht weniger das Tun im Vordergrund, sondern das gelungene Endprodukt.

 

Wie arbeiten Sie mit den Klientinnen und Klienten?

Thöni: Es gibt verschiedene handwerklich-gestalterische Techniken in der Ergotherapie, beispielsweise das Arbeiten mit Ton, Holz, Speckstein oder die Malerei. Andere Trainingsverfahren zielen auf das Verbessern der Gehirnleistung, wie Konzentration, Kurzzeitgedächtnis oder Merkfähigkeit. Neben lebenspraktischen Aufgaben, etwa dem Führen eines Haushalts, kochen oder einkaufen, gibt es kommunikative und wahrnehmungsfördernde Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem Gesellschafts- oder Geschicklichkeitsspiele, Hör- und Tastübungen.

 

Wo wird Ergotherapie angeboten?

Heubacher: Die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit bieten in folgenden Beratungsstellen Ergotherapie an: Bürs, Götzis, Dornbirn und Egg, sowie in der Beschäftigungswerkstatt EinDRUCK in Götzis. Die Zuweisung erfolgt immer durch eine Ärztin oder einen Arzt mittels eines Reha-Scheines.