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Psychoedukation: Wissen um psychische Krankheiten

Aufklärung bei psychischen Erkrankungen spielt eine große Rolle. Gezielte Psychoedukation von Betroffenen und deren Angehörigen erleichtert den Umgang und fördert das Verständnis von psychischen Krankheiten. Frau Dr. Klaudia Kaufmann von den Sozialpsychiatrischen Diensten der aks gesundheit berät zu diesem speziellen Thema mit viel Erfahrung.

 

Was bedeutet Psychoedukation?

Kaufmann: Unter Psychoedukation verstehen wir das Aufklären über die zurgrundeliegende psychische Erkrankung von Betroffenen und / oder deren Angehörigen. Man erklärt konkret die Ursachen und Symptome der Erkrankung, die diagnostische Einteilung, den Verlauf sowie die Behandlungsmöglichkeiten.

 

Wann sollte eine Psychoedukation erfolgen?

Kaufmann: Die genaue Information über das psychische Krankheitsbild ist deffinitiv erfolgreicher, je früher die Patientin bzw. der Patient sich damit auseinandersetzt. Grundsätzlich sollte jeder Betroffene über seine Erkrankung entsprechend informiert sein.

 

Warum ist es so wichtig, detailliert über die Erkrankungen Bescheid zu wissen?

Kaufmann: Psychische Krankheiten entwickeln sich oft schleichend und sind als solche nicht gleich erkennbar. Äufklärung über Symptome, Ursachen und verschiedene Behandlungskonzepte erleichtert es Betroffenen und deren Umfeld die Erkrankung zu verstehen. Step by step können dann gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt werden. Ebenso wichtig ist das Verstehen der Störung – so lernen die Patientinnen und Patienten den richtigen Umgang mit ihrer Krankheit.

 

Warum ist ein möglichst frühes Erkennen wichtig?

Kaufmann: Je früher Symptome einer sich anbahnenden neuen Krankheitsphase entdeckt werden, desto eher können Betroffene und Angehörige gegensteuern. Im Anfangsstadium mit geeigneten Medikamenten und / oder therapeutische Maßnahmen kann ein Verschlimmern oft verhindert werden. Durch eine optimale Früherkennung spart sich die Patientin oder der Patient mitunter einen stationären Klinikaufenthalt. Weiters unterstützen das Verstehen und der geschulte Umgang mit der Krankheit das Vermeiden von Rückfällen.

 

Was sind die Ziele einer Psychoedukation?

Kaufmann: Neben der Aufklärung ist das Fördern der Compliance – Barriereabbau vor Behandlungen – ein wichtiger Punkt. Den Familienmitgliedern den oft schwierigen Umgang mit einer psychischen Krankheit erleichtern, ist ebenso wichtig, wie die Stressbewältigung und das Aktivieren der Ressourcen von Betroffenen. Eine psychische Erkrankung wird oft stigmatisiert: Psychoedukation wirkt mittels Aufklärung entschieden dagegen.

 

Welche Krankheitsbilder können geschult werden?

Kaufmann: Ursprünglich setzten Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten die Psychoedukation speziell bei Schizophrenie ein. Aufgrund der Erfolge bei schizophren erkrankten Menschen, entwickelte man spezielle Trainingsprogramme für andere psychische Störungen wie: Depressionen, Bipolare Affektive Störungen, Angststörungen, Suchterkrankungen, Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen. Inwiefern die Psychoedukation der Patientin bzw. dem Patient vermittelt werden kann, basiert auf dem Krankheitsbild.

 

Wie wird Psychoedukation angeboten?

Kaufmann: Meines Erachtens ist es vorteilhaft, wenn die Aufklärung in Gruppen erfolgt. Hier erfahren Erkrankte und deren Angehörige oft emotionale Entlastung. Sie merken, dass sie nicht alleine sind und vieles zu bewältigen ist. Sie profitieren und lernen voneinander. Es fördert die Hoffnung, trotz Erkrankung ein zufriedenes Leben zu führen. Selbstverständlich ist Psychoedukation auch einzeln durch die behandelnde Psychiaterin oder den Psychiater sowie Psychotherapeutin oder Psychotherapeuten möglich.

 

Wer bietet Psychoedukation an?

Kaufmann: Sozialpsychiatrische Institutionen wie auch stationäre Einrichtungen bieten entsprechende Programme. Beispielsweise die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

Vorarlberg auf dem Weg zur Kariesfreiheit

In Vorarlberg werden Kindergärten und Schulen jährlich von Zahngesundheitserzieherinnen der aks gesundheit besucht. Gemeinsam mit Max Prophylax, versuchen sie dem WHO-Ziel, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 80 Prozent der Kinder im Milchzahngebiss kariesfrei sind, näher zu kommen.

 

Eine österreichweit durchgeführte Zahnstatuserhebung ließ 1988 in Vorarlberg die Alarmglocken läuten. Untersucht wurden 6-Jährige (Milchzahngebiss) und 12-Jährige (bleibendes Gebiss). Nur 17 Prozent der 6-jährigen und nur 8 Prozent der
12-jährigen Vorarlbergerinnen und Vorarlberger waren kariesfrei, als die Zahnprophylaxe Vorarlberg ins Leben gerufen wurde.

 

Zusammen mit Kindern, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen, Zahnärztinnen und
-ärzten, Landesregierung und Sozialversicherungsträgern ist man seither auf dem Weg das WHO-Ziel zu erreichen. Gesunde Ernährung, bestmögliche Mundhygiene und Fluoride spielen dabei eine herausragende Rolle. Jährlich angebotene Gruppenuntersuchungen im Dentomobil, bei Patenzahnärztinnen oder
-ärzten sowie in den Ambulatorien der GKK dienen zur Kontrolle.

 

Die ersten Erfolge

Die alle fünf Jahre österreichweit durchgeführten Zahnstatuserhebungen zeigten schon im Jahr 1993 erste große Erfolge in Vorarlberg. Bereits 43 Prozent der
6-Jährigen und 26 Prozent der 12-Jährigen waren kariesfrei. 1998 wurde die
50 Prozentmarke überschritten und Vorarlberg entwickelte sich zum Spitzenreiter in der Kariesvorsorge.

 

Im Jahr 2003 wurden die 6-jährigen Kinder (56 Prozent kariesfrei) erstmals von den
12-jährigen (69 Prozent kariesfrei) überholt. 2008, bei der letzten österreichweit durchgeführten Zahnstatuserhebung, durften wir uns über 67 Prozent kariesfreie
6-Jährige und 72 Prozent kariesfreie 12-Jährige freuen.

 

Während man für die österreichweiten Zahnstatuserhebungen nur Daten von
6- und 12-Jährigen auswertet, werden in Vorarlberg Kinder von vier bis 14 Jahren untersucht und sämtliche Daten statistisch von der VGKK erfasst.

 

Im letzten Schuljahr wurden rund 18.600 Kinder untersucht

Im vergangenen Schuljahr wurden in Vorarlberg insgesamt 18.595 Kinder untersucht.

Davon waren 11.691 (63 Prozent) kariesfrei. Die Mehrzahl der kariösen Zähne finden sich aber im Milchzahngebiss. Von den bleibenden Zähnen sind in der gesamten Gruppe gut 70 Prozent kariesfrei. Es zeigte sich, dass Karies in den beiden Altersstufen der Sechs- und Zwölfjährigen wieder etwas zugenommen hat.

Daher bedarf es vermehrter Anstrengungen, um das WHO-Ziel zu erreichen.  „Gesunde Zähne fürs Leben“ erfordern den Einsatz von Kindern, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen, Zahnärztinnen und -ärzten sowie Zahngesundheitserzieherinnen. Gemeinsam lässt sich das hochgesteckte Ziel erreichen!

Botox: mehr als nur ein „Anti-Falten-Gift“

Botox ist vor allem aus der kosmetischen Medizin zur Behandlung von Falten bekannt. Dabei kann Botulinumtoxin auch Bewegungsstörungen bei neurologischen Erkrankungen verbessern, so Dr. Gebhard Riedmann, damaliger medizinischer Leiter in der Neurologischen Reha der aks gesundheit.

 

Was ist eigentlich Botox?
Riedmann:
Botulinumtoxin ist ein Nervengift. Früher war es als Lebensmittelgift („Konservengift“) gefürchtet. Heute wird Botulinumtoxin zu medizinischen Zwecken verwendet.

 

Wann wird Botox in der Neurologie angewendet?
Riedmann:
Das Hauptanwendungsgebiet in der Neurologie ist die Spastik. Dort ist mittlerweile bewiesen, dass Botox eine Linderung der Muskelspannung (Tonus) bewirkt. Eine Spastik kann angeboren sein oder im Lauf des Lebens durch eine neurologische Krankheit wie Schlaganfall, Tumor oder MS erworben werden.

 

Wie wirkt Botox bei neurologischen Erkrankungen?
Riedmann:
Die Wirkungsweise ist die Unterbrechung der Signalübertragung vom Gehirn zum Muskel.

 

Wie hilft Botox bei Bewegungsstörungen?
Riedmann:
In der Neurologie gibt es zahlreiche Bewegungsstörungen der Muskulatur, bei denen es zu Unruhebewegungen von verschiedenen Muskeln im Gesicht, im Bereich der Arme und Beine oder der Halsmuskulatur kommt. Die bekannteste davon ist der sogenannte Schiefhals, bei dem es immer wieder zur unwillkürlichen Verdrehung des Kopfes kommt. Dort ermöglicht eine gezielte Injektion des Botulinumtoxins über mehrere Monate eine Linderung der Bewegung.

 

Gibt es andere Bewegungsstörungen bei denen Botox hilft?
Riedmann:
Bei ticartigen Störungen, wie beispielsweise der Blinzeltic, bei dem es unwillkürlich mehrfach pro Sekunde zu störendem Blinzeln kommt, können geringe Mengen Botox die Störung sehr gut für lange Zeit bessern.

 

Kann Botox auch die Beweglichkeit verbessern?
Riedmann: Eine Verbesserung der Bewegungsfunktionen kann nicht erreicht werden, da durch Botox nur die ungünstigen Auswirkungen der Spastik beeinflusst werden können. In solchen Fällen bewirkt Botox eine Verringerung der Schmerzen und der schmerzhaften Spannungen. Durch zusätzliche Physio- oder Ergotherapie sind Verbesserungen im Alltag möglich.

 

Gibt es auch andere Einsatzgebiete von Botox?
Riedmann: Neben der Behandlung von Falten können mit Botox gute Ergebnisse bei übermäßigem Schwitzen (vor allem unter den Achseln) erzielt werden. Es gibt auch Studien, dass Botox bei Migräne und Spannungskopfschmerzen wirken kann. Man kann hier noch keine eindeutigen Empfehlungen abgeben, da die Studien noch nicht abgeschlossen sind.

 

Wie schnell wirkt Botox?
Riedmann: Die Wirkung kann sehr rasch einsetzen, bei Übermäßigem Schwitzen ist am nächsten Tag schon eine deutliche Besserung zu spüren, die dann über mehrere Monate anhält.

 

Welche Nebenwirkungen gibt es bei Botox?  
Riedmann: Wenn man die Injektionen gezielt in die entsprechenden Muskeln abgibt, gibt es praktisch keine Nebenwirkungen. Bei der Injektion wird streng darauf geachtet, dass das Mittel nicht in die Blutbahn gerät. Bei einer Überdosierung im entsprechenden Muskel kann es zu vorübergehenden verstärkten Lähmungserscheinungen kommen, die aber bald abklingen, weil das Gift im Körper innerhalb von 3 Monaten praktisch vollständig abgebaut wird.

 

Ist die Behandlung schmerzhaft?
Riedmann: Das Medikament muss unter die Haut oder in die Muskulatur gespritzt werden, was nur mit Hilfe einer Nadel möglich ist. Das kann schmerzhaft sein.

 

Was kostet die Botoxtherapie?
Riedmann: Eine Ampulle Botox kostet ca. Euro 400,-. Während das in der kosmetischen Behandlung für mehrere Anwendungen reicht, werden in der Neurologie bis zu vier Ampullen in einer Sitzung benötigt.

 

Wer bezahlt die Therapie?
Riedmann: Für den kosmetischen Einsatz müssen die Kosten selbst getragen werden. Für neurologische Anwendungen werden die Kosten nach vorheriger Abklärung mit der Gebietskrankenkasse bei medizinischen Indikationen übernommen.

Gelenkschutz

Gelenkschutz und Hilfsmittel sind in der Behandlung rheumatischer, orthopädischer und neurologischer Erkrankungen ein wichtiger Bestandteil der Therapie geworden, so die Ergotherapeutin Katja Wehrmann von der Neurologischen Reha der aks gesundheit.

 

Was ist Gelenkschutz?

Wehrmann: Gelenkschutz ist der schonende Einsatz der Gelenke im Alltag und in der Arbeit. Es sind Maßnahmen, die die Gelenke vor zu starker Beanspruchung, vor Fehl- oder Überbelastung schützen. Auch Schienen dienen dem Gelenkschutz. Sie werden von Ergotherapeutinnen oder Ergotherapeuten angefertigt.

 

Warum müssen die Gelenke speziell geschützt werden?

Wehrmann: Bei rheumatischen, orthopädischen oder neurologischen Erkrankungen, die die Gelenke betreffen, bringen schon geringste Fehlstellungen große Einschränkungen in der Beweglichkeit mit sich. Ziel ist es die Gelenkfunktion so lange wie möglich zu erhalten, damit die Selbstständigkeit bei den Anforderungen des täglichen Lebens bestehen bleibt. Im Endeffekt wird durch den schonenden Einsatz der Gelenke versucht, Schmerzen zu verringern und die Abhängigkeit von fremder Hilfe zu vermindern.

 

Wie wird Gelenkschutz erreicht?

Wehrmann: Gelenkschutz wird erreicht durch den gezielten Einsatz von vorbeugenden Alltagshilfen, sowie durch gelenkentlastende Arbeitsweisen bei vielen Tätigkeiten. Betroffene Erkrankte können durch die Einhaltung von Gelenkschutzprinzipien aktiv zu einem günstigeren Verlauf ihrer Krankheit beitragen.

 

Was sind das für Prinzipien, und können sie uns einige nennen?

Wehrmann: Wichtig ist, ein Gleichgewicht zwischen Ruhe und Belastung zu finden. Man sollte auch die Arbeit gut organisieren und Pausen einlegen. Außerdem sollten monotone Arbeiten durch wechselnde Arbeitshaltungen aufgelockert werden. Generell sollten dynamische Tätigkeiten (Bewegung) statischen Tätigkeiten (Haltearbeiten) vorgezogen werden: Verwenden sie z. B. eine Buchstütze, statt das Buch selbst zu halten.

 

Helfen Schienen im Alltag?

Wehrmann: Falls sie eine durch eine Ergotherapeutin oder einen Ergotherapeuten angepasste Schiene oder eine vom Arzt verordnete Schiene besitzen, verwenden sie diese für schwere Alltagstätigkeiten. Arbeitsschienen dienen z. B. dazu, die Handkraft zu verbessern und führen nicht zwangsläufig zu einem Muskelabbau.

 

Gibt es noch weitere Prinzipien für den Gelenkschutz?

Wehrmann: Die richtige Arbeitshöhe ist bei allen Tätigkeiten, die ein längeres Sitzen oder Stehen erfordern, von entscheidender Bedeutung. Weiters sind tägliche Bewegungsübungen wichtig für die gesamte Mobilität. Auf keinen Fall sollten dabei Alltagsverrichtungen als Ersatz für die gezielten Bewegungsübungen angesehen werden.

 

Wie sieht es mit schweren Lasten aus?

Wehrmann: Diese sollten auf mehrere größere Gelenke verteilt werden. Tragen sie lieber einen Rucksack mit ihren Einkäufen als eine Tasche in einer Hand. Auch Stoß- und Schlagbewegungen sollten vermieden werden (Abhilfe z. B. durch Lenkstange mit weichen Handpolstern beim Fahrrad, oder einem Standmixer in der Küche). Nutzen Sie Hilfsmittel, bzw. Alltagshilfen.

 

Was wird unter diesen Alltagshilfen verstanden?

Wehrmann: Manchmal ist es notwendig, technische Hilfen einzusetzen, um eine Tätigkeit zu erleichtern oder sogar wieder möglich zu machen. Eine Möglichkeit sind Gegenstände mit verdickten Griffen. Dicke Griffe lassen sich besser anfassen und der Druck auf die Fingergelenke wird reduziert. So wird auch mit wenig Kraft kraftvolles Zupacken möglich.

 

Was gibt es noch für Hilfsmittel?

Wehrmann: Es gibt für sehr viele Alltagstätigkeiten Hilfsmittel: Strumpfanziehhilfen, Schreibhilfen, spezielle Scheren, elastische Schnürsenkel zum einfachen Einschlüpfen, Flaschenöffnerdrehhilfen, Deckelöffner, Knöpfhilfen, Rheuma-Messer, Gesäßabputzhilfen etc.

 

Zu welchen Hilfsmitteln raten Sie?
Wehrmann:
Am Besten erfährt man durch eine individuelle Beratung einer Ergotherapeutin oder eines Ergotherapeuten, was je nach Krankheitsbild das Richtige ist. Es kommen Bewegungsübungen zum Einsatz, individuelle Anpassung von Schienen, Hilfsmittelberatung und Versorgung und eine Hilfsmittelgebrauchsschulung, so dass je nach Krankheitsbild die Patientinnen und Patienten optimal versorgt sind. Die Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten der aks Neurologischen Reha beraten Sie gerne.

Beckenboden und Sexualität

Um ein glückliches Sexualleben erfahren zu dürfen, es zu verbessern oder wieder zu erlangen, können wir aktiv etwas tun. Ein gut trainierter Beckenboden, trägt einen großen Anteil zur sexuellen Befriedigung bei Frau und Mann, so Brigitte Amort, DGKS, Beckenbodentrainerin, (In)Kontinenz- und Stomaberaterin in der Neurologischen Reha der aks gesundheit.

 

Was hat der Beckenboden mit dem Thema Sexualität zu tun?

Amort: Ein guter Beckenboden macht Lust auf Sexualität und Lust auf Leben. Die meisten Menschen erfahren erst etwas über den Zusammenhang von Beckenboden und Sexualität, wenn sich beim Geschlechtsverkehr Störungen entwickeln  oder  Impotenz auftritt. Die Information, dass man aktiv etwas machen kann, ist dann oft eine Erleichterung. Durch gezielte Beckenbodenübungen wird dieser nämlich besonders gut durchblutet, was das Lustempfinden steigert.

 

Welche Übungen empfehlen Sie?

Amort: Mit Hilfe der Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen, lernen sie gezielt den Beckenboden anzuspannen und locker zu lassen.

 

Was bewirkt ein gut trainierter Beckenboden in Zusammenhang mit Sexualität?

Amort: Gut trainierte Beckenbodenmuskeln erhöhen die Intensität des Orgasmus bei Frau und Mann. Beim Mann erhöht das richtige Training zudem die Ausdauer.

Wichtig zu wissen ist, dass Frau und Mann nicht immer gemeinsam zum Orgasmus kommen. Wir haben das Gefühl, das sollte so sein, und wenn es bei uns nicht zutrifft, dann funktionieren wir nicht richtig. Es ist in Ordnung, wenn es nicht gemeinsam erlebt wird.

 

Wie wirkt sich Beckenbodentraining aus?

Amort: Der Sex wird schöner und intensiver, wenn man mit der Partnerin oder dem Partner lernt, den Orgasmus hinauszuzögern. Verschiedene Stellungen können eingenommen werden und dazwischen immer wieder mal der Beckenboden angespannt und locker gelassen werden. Ganz wichtig ist, dass ihre Partnerin oder ihr Partner Bescheid weiß, was sie machen. Dies steigert auch deren bzw. dessen Lustempfinden.

 

Wann konkret empfehlen Sie Beckenbodentraining für Männer?

Amort: Gut wäre Beckenbodentraining vor der Operation, auf jeden Fall aber nach einer Prostata-Operation in Absprache mit dem Urologen. Auch bei Potenzstörungen und eben als Möglichkeit, die eigene Sexualität intensiver zu erleben, ist Beckenbodentraining gut für Männer. Generell ist ein Beckenbodentraining für die Steigerung des gesamten Körpergefühles gut.

 

Was sind die Ursachen für einen schwachen Beckenboden bei der Frau?

Amort: Bei der Frau führen Fehlbeanspruchung und immer wieder Überbelastung,
z. B. durch schwere körperliche Arbeit, Tragen und Aufheben von schweren Lasten, zu einer Schwächung des Beckenbodens. Hinzu kommt nicht selten, dass Frauen eine Bindegewebsschwäche haben. Besonders stark beansprucht wird der Beckenboden natürlich durch Schwangerschaft und Geburt. Auch seelische Probleme können zu einer Schwächung führen.

 

Welche Sportarten sind bei einem schwachen Beckenboden nicht zu empfehlen?

Amort: Aerobic, Joggen, Tennis und alle anderen Sportarten, bei denen ruckartige Bewegungen den Beckenboden plötzlich massiv belasten, sind erst dann wieder gesund, wenn  die Beckenbodenmuskulatur gestärkt ist.

 

Hat das Alter einen Einfluss auf den Beckenboden?

Amort: Hormonelle Veränderungen (Östrogenmangel), besonders in den Wechseljahren, vermindern die Durchblutung der Muskulatur und der Schleimhaut im Vaginalbereich. Und welche Rolle Sexualität und Beckenboden in den verschiedenen Phasen des Lebenszyklus spielen, muss jeder Mensch für sich selber entscheiden. Je aktiver wir geistig und körperlich bleiben, umso intensiver können wir uns selbst und unsere Partnerin bzw. unseren Partner wahrnehmen.

 

Wer bietet Beckenbodentraining an?

Amort: Da gibt es verschiedene Anbieter, darunter auch die Neurologische Reha der aks gesundheit. Dort finden Sie spezielle Beckenbodenkurse für Männer. Darüber hinaus bietet die aks Neurologische Reha jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr Inkontinenzberatung an. Diese ist sowohl anonym per Telefon als auch im persönlichen Gespräch in der Färbergasse 13 in Dornbirn möglich.

 

Factbox

Brigitte Amort, DGKS

Beckenbodentrainerin, (In)Kontinenz- und Stomaberaterin

Jeden Dienstag von 18.00 – 20.00 Uhr

Anonym unter: T 055 74 / 202 – 3000

Oder

Persönlich nach telefonischer Voranmeldung, zur selben Zeit in der Färbergasse 13, 6850 Dornbirn

Neurologische Reha der aks gesundheit

Harninkontinenz im Alter

„Altern, ohne alt zu werden“ und „aktiv altern“ sind Ausdrücke, welche von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) angewendet werden. Inkontinenz steht diesem Ziel sehr hinderlich gegenüber. Zwar ist die Harninkontinenz in allen Altersgruppen vertreten, trotzdem ist sie im Alter sehr verbreitet und wirkt sich entscheidend auf den Alltag der Betroffenen aus, weiß Frau Amort aus ihrem Alltag als (In)Kontinenzberaterin zu berichten.

  

Warum erkranken im Alter immer mehr Menschen an Inkontinenz?

Amort: Inkontinenz ist keine Krankheit. Sie ist ein Symptom, das im Alter vermehrt auftritt und häufig sehr belastend für die betroffene Frau oder den betroffenen Mann ist.

 

Was sind die Ursachen für Inkontinenz im Alter?

Amort: Die Ursachen der Blasenfunktionsstörungen im Alter sind vielfältig. Veränderungen im zentralen Nervensystem, in der Blase selbst oder ein schwacher Beckenboden unterliegen der natürlichen Alterung. Auch mehrere Erkrankungen gleichzeitig wie z. B. Zuckerkrankheit und eine zusätzliche Nervenschädigung kann zu Veränderungen direkt in der Blase führen.

 

Gibt es auch Krankheiten, die sich direkt auf den Beckenboden auswirken?

Amort: Ja, durch eine chronische obstruktive Lungenerkrankung, als COPD bekannt, kann es zum Beispiel durch das ständige Husten zu einer Schwächung der Beckenbodenmuskulatur kommen und somit zu einer Belastungsinkontinenz führen.

 

Wie gehen betroffene Personen mit der Inkontinenz um?

Amort: Der Kontrollverlust über die Blase führt häufig zu einem Verlust an Selbstvertrauen, was wiederum zur Reduktion sozialer Kontakte führt. Das kann bis zur Isolation und Depression gehen. Wer dauernd fürchten muss, dass er Harn oder Stuhl verliert, begibt sich nicht mehr gerne in Gesellschaft.

 

Wie können Angehörige oder pflegende Personen helfen?

Amort: Vor allem bei älteren Menschen, die auf Betreuung oder Pflege angewiesen sind, kommt den Angehörigen und Pflegenden eine große Bedeutung zu. Diese müssen die Kontinenzprobleme der Betroffenen genau beobachten, um ihnen eine optimale Unterstützung gewähren zu können.

Hiezu kommt, dass Inkontinenz nach wie vor ein Tabuthema ist. Über Inkontinenz spricht man erst, wenn der Leidensdruck so hoch ist, dass die Betroffenen eine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das heißt: Ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt ihres Vertrauens oder mit einer Inkontinenzberaterin ist auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Warum ist Inkontinenz so ein Tabuthema?

Amort: In unserer heutigen Zeit legt man sehr viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene. Schon Kleinkinder werden auf Sauberkeit erzogen und trainiert. Sie können sich vorstellen, dass der Verlust über die Kontrolle der eigenen Körperfunktionen in diesem Fall schwieriger anzusprechen ist als bei anderen Krankheiten, und trotzdem macht es Sinn, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu holen.

 

Sind Frauen oder Männer mehr betroffen?

Amort: Frauen sind mehr betroffen. In jüngeren Jahren werden Frauen durch Schwangerschaft und Geburt mit dem Beckboden konfrontiert. Es ist wichtig, dass junge Frauen schon vor der Geburt und besonders nach der Geburt (12 Wochen danach) mit dem Beckenbodentraining beginnen. In späteren Jahren, den Wechseljahren, wird es für die Frauen durch die Hormonveränderung wieder zum Thema.

  

Welche Maßnahmen können helfen?

Amort: Eine frühe Aufklärung über mögliche Therapien, geeignete Hilfsmittel aber auch Medikamente können unterstützend wirken. Dies aber nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Nur so kann die Inkontinenz im Alter als soziales und wirtschaftliches Problem erkannt und verbessert werden. Weitere unterstützende Maßnahmen sind Blasentraining, Toilettentraining, Beckenbodentraining und geeignete Hilfsmittelversorgung.

 

 

Tipps für den Alltag

 

Alltagsregeln für einen fitten Beckenboden

  •  Aufrechte Körperhaltung hilft generell
  •  Bleiben Sie beim Husten und Niesen aufrecht und drehen Sie den Oberkörper seitwärts
  •  Tragen Sie schwere Lasten körpernah

 

Auf der Toilette

  •  Zeit nehmen und auf eine aufrechte Haltung achten
  •  Pressen Sie nicht! (Sorgen Sie über ihre Ernährung für einen weichen Stuhlgang)
  •  Nach dem Urinieren –Beckenbodenmuskulatur anspannen

Arbeiten im Neurorehateam

Wer gibt eigentlich das Ziel vor, nach dem ein ambulantes Rehateam arbeitet? Wer sind die Experten? Was ist der Auftrag, nach dem gearbeitet wird und wer erteilt diesen?

 

Im Mittelpunkt steht die Patientin oder der Patient, die / der auch das Ziel bzw. den Auftrag an das Team gibt. Ein Weg, diesen Auftrag zu bekommen, sind interdisziplinäre Besprechungen gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten und den Angehörigen.

 

Interdisziplinarität ist dann gegeben, wenn ALLE an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

 

Die gemeinsame Besprechung mit der Patientin oder dem Patienten und ggf. den Angehörigen bietet mehrere Vorteile. Die Patientinnen und Patienten müssen ihre Geschichte nur ein Mal erzählen. Alle behandelnden Personen kennen dieselbe Version. Bestenfalls weiß die Patientin oder der Patient, was sie / er sich von der Therapie erwartet und formuliert selbst ein Ziel. Wenn das nicht möglich ist, dann wird gemeinsam ein Ziel erarbeitet.

Wenn die Patientin oder der Patient selbst das messbare Ziel formuliert und dort auch wirklich hin will, dann ist der wichtigste Schritt getan: Die Patientin oder der Patient sitzt mit im Boot.

 

Die große Herausforderung ist die bewusste Gesprächsführung. Es kommt im ganzen Team zu einem Umdenken in den Fragetechniken. So stehen hinter dem Ziel der Patientin oder des Patienten „Ich möchte wieder gesund werden“ Gegenfragen wie, „Was heißt gesund sein für Sie?“, „Was haben Sie (gerne) gemacht, als Sie gesund waren?“, „Was würden Sie als erstes machen, wenn Sie wieder gesund wären?“.

 

Ein ebenfalls oft genanntes Ziel ist: „Es soll alles wieder so werden wie früher“. Gegenfragen dafür sind zum Beispiel: Wie sah so ein typischer Tag / Vormittag bei Ihnen aus?“, „Sie haben gesagt, dass das Sprechen wieder richtig funktionieren soll. In welcher Situation ist es Ihnen zurzeit am Wichtigsten, wieder flüssig sprechen zu können?“

 

Bei der Zielformulierung werden drei unterschiedliche Arten von Zielen unterschieden. Das langfristige Ziel, das auf Jahre ausgelegt sein kann, ist das Teilhabeziel. Es dient als Motivationsfaktor. Oftmals ist es ein Lebenswunsch und meist unrealistisch.

Dieses Ziel wird dann gemeinsam auf ein Aktivitätsziel heruntergebrochen. Das Aktivitätsziel holt die Patientin oder den Patienten dort ab, wo er / sie tatsächlich steht und verhilft ihm / ihr in kleinen Erfolgen zum Teilhabeziel.

 

Angenommen, eine Patientin oder ein Patient gibt an, wieder auf den Pfänder gehen zu wollen und kann in seiner aktuellen Situation gerade quer im Bett sitzen, aber nicht stehen. So kann das Ziel mit dem Pfänder stehen bleiben und das Aktivitätsziel könnte lauten: Freies Stehen mindestens zwei Minuten. Je nach Fähigkeiten der Patientin oder des Patienten wird so vom Teilhabeziel ein messbares und vor allem für die Patientin oder des Patienten relevantes und realistisches Aktivitätsziel abgeleitet.

 

Aus dem Aktivitätsziel ergeben sich dann die benötigten Fachbereiche und die jeweiligen Funktionsziele. Funktionsziele werden mit den jeweiligen Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten definiert und könnten sich im obigen Fall auf Kraft, Ausdauer, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Ähnliches beziehen. Sie müssen ebenfalls messbar sein.

 

Durch diesen kommunikativen Prozess, der sich im Rahmen des interdisziplinären Settings automatisch ergibt, sind auch die Patientin oder der Patient  gezwungen, sich umzustellen. Sie müssen nun plötzlich selbst ein Stück weit Verantwortung für die Fortschritte in der Rehabilitation übernehmen.

Lösungen für schwierige Situationen

Eine neurologische Erkrankung bedeutet in den meisten Fällen viel Veränderung. Vor allem Ängehörige stehen oft vor Fragen und sind mit der neuen Situation überfordert. Sozialarbeiterin Eva Schreyer von der aks gesundheit weiß, wie sie die neurologischen Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen unterstützen kann.

 

Was ist Sozialarbeit?
Schreyer:
Sozialarbeit ist sehr vielfältig und orientiert sich immer an der speziellen Problemlage der Patientinnen und Patienten und dem Auftrag der Fördergeber. Es werden Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und Unterstützung bei der Umsetzung gegeben.

 

Wie sieht Sozialarbeit in der aks Neurologischen Reha aus?
Schreyer:
Bei uns gliedert sich die Sozialarbeit in drei wesentliche Bereiche: Begleitung, Beratung über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und Informationen über Entlastungsangebote für Angehörige. Während Fachärztinnen und -ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten die Erkrankung der Patientin bzw. des Patienten behandeln, klären wir Sozialarbeiterinnen sowie Sozialarbeiter die Rahmenbedingungen wie z. B. die Finanzen ab, um eine reibungslose Therapie zu ermöglichen.

 

Wie kann man sich eine Beratung im finanziellen Bereich vorstellen?
Schreyer:
Dabei werden die Einnahmen und Ausgaben der Patientin oder des Patienten gegenübergestellt. Ist weniger Geld da als benötigt, werden die Ausgaben nach den persönlichen Prioritäten eingeteilt und gleichzeitig gesetzliche Förderungsmöglichkeiten überprüft und gegebenenfalls angesucht.

 

In welcher Form begleiten Sie Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen?
Schreyer:
Im Gespräch und in praktischen Dingen wie Amtswege oder der Organisation von Unterstützungsangeboten. Jeder Mensch geht mit einer neuen Situation anders um, hat ein eigenes persönliches Repertoire an Bewältigungsstrategien. Daran und an den persönlichen Bedürfnissen orientiert sich die Begleitung.

 

Warum ist die Information über Entlastungsangebote für Angehörige so wichtig?
Schreyer:
Meist ist die ganze Familie von der neurologischen Erkrankung eines Mitgliedes betroffen. Die Situation ist oft schwer, vor allem, wenn die Pflege von den Angehörigen übernommen wird. Sie ermöglichen der erkrankten Person ein weiteres Leben in ihrem häuslichen Umfeld und sind eine wichtige Stütze. Um mit diesen Anforderungen und Aufgaben gut umgehen zu können und dabei auf sich selbst zu achten, sind Entlastungsangebote so wichtig.

 

Was sagen Sie, sind große Hilfen für die Angehörigen?
Schreyer:
Das variiert sehr und hängt von der individuellen Situation ab.
Gerne angenommen werden die mobilen Dienste oder die 24-Stundenbetreuung. Zu den mobilen Diensten zählen unter anderem die Therapeutinnen und Therapeuten der aks Neurologischen Reha. Sie bieten durch ihren mobilen Einsatz in ganz Vorarlberg Therapie dort an, wo das Leben stattfindet – zu Hause.

 

Haben Sie Erfahrung mit der 24-Stundenbetreuung?
Schreyer:
Ja, durch diese Form der Betreuung können pflegebedürftige Menschen zu Hause im persönlichen Umfeld bleiben. Sie sind weiterhin im Familienleben eingebunden und die gewohnten sozialen Kontakte können aufrecht bleiben. Geschulte Personenbetreuerinnen und -betreuer übernehmen in Absprache mit den Angehörigen Aufgaben wie Hilfe bei der Körperpflege, im Haushalt, beim Einkaufen und Kochen.

 

Wann braucht man eine 24-Stundenbetreuung?
Schreyer:
Die Gründe können sehr unterschiedliche sein. Wenn der zeitliche Aufwand der Pflege so groß ist, dass er nicht mehr von den pflegenden Angehörigen oder Hilfsdiensten abgedeckt werden kann, aber eine Pflege zu Hause aus medizinischer Sicht möglich ist, ist die 24-Stundenbetreuung eine Alternative zu einer Übersiedlung in eine Pflegeanstalt. Häufig nehmen ältere Menschen, die selbst nicht mehr in der Lage sind, zu Hause den Alltag zu bewältigen, diesen Dienst in Anspruch.

 

Was kostet eine 24-Stundenbetreuung?
Schreyer:
Die Pflegerinnen und Pfleger verlangen rund 90 bis 120 Euro pro Tag. Im Vergleich zu einer Pflegeanstalt ist das günstig. Für Menschen mit sehr geringen Einkommen gibt es Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.

 

Angehörige von Schlaganfallpatientinnen und -patienten

Ein Schlaganfall trifft immer die ganze Familie. Je nach Auswirkungen, Symptomen und bleibenden Defiziten bei der direkt betroffenen Person, wirkt sich ein Schlaganfall immer auch auf das ganze Umfeld aus. Als Angehöriger ist es oft schwierig herauszufinden, wie man am Besten helfen kann, weiß Mag. Dr. Christoph Köb, Psychologe in der Neurologischen Reha der aks gesundheit.

 

Wie erleben Angehörige die Folgen eines Schlaganfalles?

Köb: Angehörige befinden sich ebenfalls in einer Ausnahmesituation. Auch sie sind verletzt und geschockt. Oft haben sie Schuldgefühle und fühlen sich für die Erkrankung mitverantwortlich. Sie fragen sich, ob sie dazu beigetragen haben, dass der Angehörige einen Schlaganfall erlitt, indem sie Risikofaktoren nicht erkannt haben, nicht genug für gesunde Ernährung gesorgt oder sich zu wenig um ärztliche Hilfe bemüht haben. Auch Existenzängste können auftreten. Die heile Welt gerät in Unordnung. Gesundheitliche und finanzielle Probleme werden hautnah miterlebt.

 

Was raten Sie den Angehörigen in diesem Fall?

Köb: Im Gespräch bleiben und Probleme offen ansprechen. Bereiten Sie auch die Kinder, dem Alter entsprechend, auf mögliche Folgen vor. Je nach Dauer und Schwere der Erkrankung wird eine neue Aufgabenverteilung innerhalb der Familie notwendig. Bemerken Sie bei sich oder bei den Kindern Verhaltensänderungen oder werden von Dritten hierauf angesprochen, sollten Sie unverzüglich psychologische, psychotherapeutische oder ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

 

Wie wirkt sich die Erkrankung auf die Partnerschaft aus?

Köb: Es gibt kein allgemein gültiges Rezept, wie Partner mit einer Lebenskrise, die ein Schlaganfall mit sich bringen kann, umgehen können. Durch häufige Gespräche kann einer möglichen Entfremdung entgegengewirkt werden. 

 

Wie könnte so ein Gespräch aussehen?

Köb: Sprechen Sie Ihre Sichtweisen zu dem Geschehenen, aber auch Ihre Gefühle, Stimmungen, Ängste und Zweifel an. Wenn Sie bisher über alles sprechen konnten, sollte das auch jetzt möglich sein. Sie dürfen auch Ihre eigenen Schwierigkeiten im Umgang mit dem Schlaganfall ansprechen. Wichtig ist, dass die Offenheit gewahrt bleibt und sich beide Partner ernst genommen fühlen.

 

Was können Sie den Angehörigen noch raten?

Köb: Bewahren Sie Ihre Eigenständigkeit und vergessen Sie nicht, auf sich selbst zu achten. Sie sind zwar für die Patientin oder den Patienten der immer präsente Ansprechpartner, gleichzeitig aber sollten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen nicht vernachlässigen. Schaffen Sie sich Freiräume und pflegen Sie Ihre Hobbys, aus denen Sie die Kraft und Ausgeglichenheit beziehen können, die Sie für die Pflege brauchen. Ganz wichtig ist es, dass Sie sich „Auszeiten“ von der Pflege nehmen. Ohne eine Vertretung, die von Zeit zu Zeit Ihren Pflegeanteil übernimmt, geht es auf Dauer nicht. Auch wenn dies die Patientin oder der Patient unter Umständen nicht verstehen will oder kann. Oft reichen schon kurze Auszeiten aus, in denen Sie sich aber bitte nicht um Dinge kümmern, die liegen geblieben sind.

 

Wann sollte Hilfe (z. B.: psychologische Beratung oder psychotherapeutische Begleitung) in Anspruch genommen werden?

Köb: Wenn Sie sich beispielsweise durch die ständige Überbelastung gereizt, erschöpft und niedergeschlagen fühlen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen alles über den Kopf wächst, Sie sich antriebslos, freudlos und sprachlos fühlen oder Wut und Ärger auf die Patientin oder den Patienten spüren. Angehörige ignorieren sehr oft ihre eigenen Bedürfnisse und gehen für einen langen Zeitraum über ihre Grenzen. Dies kann im schlimmsten Fall bis zur Erschöpfung führen.

 

Welches Angebot für Angehörige steht bei der aks gesundheit zur Verfügung?

Köb: Bei der Neurologischen Reha der aks gesundheit wird großen Wert auf die Angehörigenberatung und -betreuung gelegt. Es werden Angehörigengruppen angeboten, in denen sich die Angehörigen unter fachlicher Betreuung untereinander austauschen und beraten lassen können. Weiters gibt es sozialarbeiterische Beratung und Betreuung. Auch psychologische Beratung und psychotherapeutische Begleitung für Betroffene und Angehörige stehen zur Verfügung.

Ein Kochstudio als Begegnungsort

„Kochen ist eine lebenswichtige Fähigkeit“, betont Starkoch Jamie Oliver den Stellenwert dieser Aktivität. Bereits seit Jahren bieten die Sozialpsychiatrischen Dienste der aks gesundheit ein Kochstudio für therapeutische Zwecke an. Andrea Robin, Dipl. psych. Gesundheits- und Krankenschwester, stellt es vor.

 

Für wen ist das Kochstudio gedacht?

Robin: Dieses sozialtherapeutische Angebot richtet sich an Menschen, deren Antrieb, Ausdauer und Belastbarkeit beeinträchtigt ist. Ebenso an Personen, die nur eingeschränkt Kontakt aufnehmen oder Konflikte lösen können. Dieses Training hilft ebenso Klientinnen und Klienten, die sich schwer konzentrieren, Dinge merken, lernen oder problemlösend denken können.

 

Nützen weitere Personen dieses Angebot?

Robin: Wir bieten das Kochstudio zweimal wöchentlich in den Räumen der aks gesundheit an. Je nach Gruppengröße können sich neben den Klientinnen und Klienten auch Beraterinnen und Berater für den Mittagstisch anmelden. Dadurch findet in angenehmer Atmosphäre ein Austausch abseits der Einzelarbeit statt. Das Kochstudio ist somit neben dem Trainingsfeld auch ein Ort der Begegnung.

 

Bitte beschreiben Sie den Ablauf!

Robin: Nach dem Menüplan wird gemeinsam die Einkaufsliste erstellt. Begleitet von den Betreuerinnen und Betreuern kaufen die Klientinnen und Klienten ein und kochen unter Anleitung das Menü. Beim anschließenden Mittagstisch versammeln sich angemeldete Gäste und die Köchinnen und Köche. In gemütlicher Atmosphäre wird gemeinsam gegessen und zum Abschluss Kaffee getrunken. Ein weiterer wichtiger Teil des Trainings ist das Aufräumen und Instandhalten der Küche.

 

Welche Ziele hat das Kochstudio?

Robin: Unser Schwerpunkt ist der Erhalt beziehungsweise das Fördern der lebenspraktischen Fähigkeiten. Zum Beispiel: Einkaufen, Kochen, Backen und vieles mehr sowie das Unterstützen sozialer Kompetenzen. Die Ziele sind vielschichtig. Während des Kochens lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was beim Einkauf wichtig ist. Etwa der Bezug zu saisonalen Produkten oder wie man sich gesund und ausgewogen ernährt.

 

Gibt es weitere positive Effekte?

Robin: Die Klientinnen und Klienten erlernen nicht nur das Zubereiten der Speisen. Sie verbessern und erweitern zudem ihre eigenen Fähigkeiten. Unser Angebot hilft den Teilnehmenden beim Strukturieren des Tages. Der Trainingseffekt beginnt somit schon beim Verlassen der eigenen vier Wände. Viele Betroffene leben zurückgezogen. Sie sind oft antriebslos und unsicher im Umgang mit anderen Menschen. Die begleitete Zusammenarbeit in der Gruppe unterstützt und stabilisiert.

 

Sind Gäste willkommen?

Robin: Ja, sogar sehr. Für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es wichtig, dass sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für Eingeladene kochen. Durch ihren Einsatz leisten sie einen Beitrag zum Gemeinwohl. Positive Rückmeldungen von außen sind Motivation und Ansporn, sie fördern die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden. Die Klientinnen und Klienten bringen ihr individuelles Können ein. Dies stärkt ihre Zuversicht, normalen Lebensumständen gewachsen zu sein.

 

Was bedeutet „Soziotherapie“?

Robin: Das Kochstudio ist gutes Beispiel für ein soziotherapeutisches Angebot. Es findet im konkreten Alltagsleben der psychisch kranken Menschen statt. Therapieformen wie diese helfen ihnen beim Bewältigen des täglichen Lebens. Soziotherapie fördert die gesunden Anteile des Menschen. Im Idealfall wird durch die regelmäßige Teilnahme der soziale Zustand so weit stabilisiert, dass die Klientinnen und Klienten ihren Alltag wieder selbstständig bewältigen. Wie in nahezu allen psychiatrischen Behandlungsbereichen spielt auch hier das Stärken des Selbstvertrauens eine wesentliche Rolle.